Alte Wunden

Dieses Wochenende liegt schwer auf mir. Wie ein riesiger Felsbrocken auf meiner Brust, nichts ist mehr im Fluss. Alles tut so weh.

Mein Herz schmerzt so sehr, als wären die alten Wunden aufgerissen, oder ist es ein Phantomschmerz, der mich an die alten Verletzungen erinnert?

Mir wird meine wahnsinnige Verlustangst klar. Ich klammere, ich will ihn nicht verlieren, und hoffe gleichzeitig, dass er mich dann verlässt — das würde mich ja dann wenigstens bestätigen. Alle verlassen mich, denn ich bin es nicht wert, ich bin nicht genug, ich interessiere niemanden längerfristig. Ich glaube oft sogar, dass sich die Männer nur wegen meines Körpers für mich interessieren. Das würde mir ja so passen, oder? Und wenn der Körper dann nicht mehr interessant ist, merken sie irgendwann, wie langweilig ich bin. Moment mal, oder habe das eigentlich ich immer gedacht?

Ich realisiere plötzlich, wie sehr ich mein Leben lang schon nach dem Motto handle und nichthandle, es interessiere ja doch niemanden, also egal was und wie ich es mache. Wenn es egal ist, warum sich dann anstrengen? Habe ich mich deswegen für ein Studium der Polonistik entschieden, weil auch Polen niemanden interessiert? So als Trotzreaktion, die eigentlich am meisten über mein Inneres aussagt?

Die Erkenntnis ist wie immer der erste Schritt zur Besserung. Das Schwierige dabei ist, dass ich diesen Felsbrocken auf meiner Brust aus eigener Kraft hochheben und entfernen muss.

Na, dann fang ich mal an zu trainieren…

Veröffentlicht von

lenkasause

Schreibe Kurzgeschichten, Träume, Gedichte, Kommentare, einen Reiseführer...und meine Doktorarbeit. I'm writing short stories, dreams, poems, comments, a travel guide ... and my PhD thesis.

3 Gedanken zu „Alte Wunden“

  1. Das ist so ein Eintrag, bei dem der Klick aufs Like sehr schwer fällt. Wobei es mir tatsächlich gefällt, wie offen und freiheraus du erzählst. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, das Leben als eine bewusste Ausrichtung zur Irrelevanz zu betrachten. Wenn du davon ausgehst, dass du unterbewusst so gehandelt hast, wirst du dafür ganz sicher Beispiele finden. Die Gefahr ist ja eher, wenn man glaubt, langweilig zu sein, dass man sich als langweilig darstellt. Was natürlich verrückt ist. Ich finde es sogar erstmal interessant, wenn sich jemand so darstellt. Denn machen wir uns nichts vor, wir alle führen sehr oft langweilige Leben, da gibt es wenig Wildheit.

    Fühle dich lieb gedrückt und ich drücke dir die Daumen, dass ihr es schafft, euch aufeinander einzuschießen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke dir ☺️
      Ich meinte damit auch eher, dass ich oft nach diesem Glaubenssatz gehandelt habe, aber natürlich im tiefsten Innern weiss, dass das Blödsinn ist. Meine Verlustängste sind nur manchmal lauter als mein Wissen darüber, dass ich alles andere als langweilig bin. Was ist Langeweile schon? Als Kind z.B. waren das die Momente, in denen ich kreativ geworden bin! Wichtige Momente also…
      Ja, das wird schon wieder. Finde es nur erstaunlich, wie einen frühere Erfahrungen prägen, aber auch, wie man sich selbst so krass manipulieren/ im Weg stehen kann. Vielleicht war die Veröffentlichung grad ein wenig voreilig, mal schaun

      Gefällt 1 Person

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