Aber wann knackt die Schale

Aber wann knackt die Schale

Da ist ein weicher Kern
den hab ich gesehen
ich hab Dich gesehen von Anfang an
aber ich kann nicht mehr ständig
anklopfen und warten
bis Du aufmachst
Dich öffnest
mir entgegen
ich brauch Dich und Du siehst nicht
wie sehr
wie oft ich gegen Deine Mauern laufe
Deine Wand aus Beton
in all den Jahren erbaut
es ist ein kaltes Land, zieh
dicke Mauern hoch
Hass, Neid, Bürokratie müssen draußen bleiben
aber auch diejenigen, die dir Gutes
die Dir helfen wollen
sie erfrieren vor Deinen hohen Wänden aus Stahl
beschützend Dein großes, weiches
weinendes Herz.

[Halle, 4.12.23]

Wo Deine Kreativität erblüht

Es ist unbequem. Du befindest Dich nicht in einer rosawatteweichen Wolke, Du trittst hinaus aus Deiner sicheren Umgebung. Du bist allein. Du befindest Dich in einem Café mit konstantem Geräuschpegel. Du beobachtest, ohne zu urteilen. Du fühlst. Alles, etwas. Du hinterfragst vieles, auch Deine Rolle in der Welt. Du erkennst die Schatten an der Wand und trittst aus der Höhle. Du fühlst Dich mehr wie die Beobachterin, mehr wie die Fotografin als die Fotografierte. Dein Herz quillt über. Du bist in der Natur und spürst Alles und Nichts. Du löst dich auf. Du vergisst Dich. Stille. Langeweile, lass sie zu. Meditation: Du findest Deine Mitte. Du begegnest einer anderen inspirierten Seele, im Gespräch oder über deren Kunst. Du gehst einer monotonen, gleichmäßigen Tätigkeit nach. Du gehst spazieren. Du machst Sport. Du hast den Mut, Deine inneren Bilder zuzulassen. Unbequemes auszusprechen. Dich Deinen Schatten zu stellen. Dich selbst zu akzeptieren. Zu lieben.


[Essenbach, 10.01.2024]


Wo und wann seid ihr kreativ? Welche Bedingungen müssen für euch vorherrschen?