wir die guten

wir sind
beleidigt empört
empfindlich getroffen
schwarzweiss

was bist du
identitätsein
die gut wir schlecht
opfersein

nur wer opfer ist zählt

alle böse alle
wie was komplex
it‘s not that deep
welche gräben gräbst
auf welcher seite stehst
du heute

wir die guten

nur unsere meinung
sicht erfahrung zählt

wählt ruft
fertige slogans
denken verboten
gefährlich
wer bin ich wenn nicht

mundtot
totschlag
sollte ich das sagen
darf man nicht

Menschsein
vergessen

(Regensburg, 9.6.26)

Ein Jahr „Das muss dieses Leben sein“

Vor einem Jahr hab ich dieses kleine Büchlein rausgebracht, in dem all meine (und eure) Lieblingstexte aus den Jahren 2019-2023 enthalten sind. Wer mich also gern liest, v.a. meine Gedichte, dem sei es nochmal ans Herz gelegt 🙂

Zu finden ist es beispielsweise hier und überall, wo es Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Inhaltsverzeichnis (1. Seite)

Poesie hat nicht immer

poesie hat nicht immer
die form
eines gedichts

nach fünfzig jahren
des schreibens
kann sich dem dichter
poesie
in form eines baumes
eines davonfliegenden
vogels
eines lichts
offenbaren

sie nimmt die form
des mundes an
die farbe des auges den klang der stimme
sie nistet im schweigen

oder sie lebt im dichter
formlos

Ein Gedicht von Tadeusz Różewicz, 13.10.1989, in der Übersetzung von Karl Dedecius.

Nur wir und das Grün

Wenn es nicht von der Großen Maschine kommt, wer hat es dann geschaffen? Das Flüstern der Blätter, den Chor der Vögel, die vielen Farben des Himmels. Es muss jemand mit unglaublich hohen Rechenkapazitäten sein, denn alles ist perfekt aufeinander abgestimmt, so vielfältig und doch miteinander verbunden.

Augustin begleitete mich heute an das Bächlein, das tief drinnen im Wald fließt, wo nichts anderes existiert als wir und das Grün, das atmet und uns mit geduldigen Augen verfolgt. Ein wenig furchtsam auch, schließlich hat es von uns Menschen schon gehört, Bäume sind alte Tratschtanten.




Was soll ich sagen, ich bin ein Waldmensch : ) Schönen Sonntag!

Wenn wir uns im Garten treffen…

… malt er mir Bilder einer vergangenen Zeit, als im Herbst noch die Blätter bunt wurden, langsam ein kühlerer Wind durch die Straßen wehte und man das erste Mal seit langem wieder ein Feuer im Kamin anzündete. Als die Wehmut in die Herzen der Menschen einzog, weil sie erneut vom Sommer Abschied nehmen mussten, weil erneut das bunte, strahlende Leben zu Ende ging. Als im Frühling alles blühte und grünte und die Vorfreude auf die wärmere, hellere Zeit in die Welt hinaus zwitscherte.

Jedes Jahr aufs Neue staunten die Menschen über den Wechsel der Jahreszeiten, wenn die Tage wieder länger oder kürzer wurden, sie freuten sich wie kleine Kinder, wenn es zum ersten Mal schneite oder die ersten Blumen aus dem noch kalten, mit Frost bedeckten Boden sprießten.

Jedes Jahr aufs Neue ein Wunder.

Augustin erzählt seine Geschichten mit kindlicher Freude, ohne eine Spur Bitterkeit oder Frust. Ihn fasziniert alles an dieser vergangenen Zeit und je mehr er darüber liest und hört, desto glücklicher macht es ihn.

Wir liegen nebeneinander auf einer Decke im Garten, beobachten die vorbeiziehenden Wolken oder die im Wind tanzenden Äste, und er beschwört Bilder herauf, die vor meinen Augen lebendig werden, die manchmal ihre eigenen Wege gehen und sich bis in meine Träume schleichen.

Die Wochen verfliegen

…und ich weiß nicht, wohin.

Zieht die Zeit in den Süden wie die Vögel, von denen mir Augustin erzählt hat?

Wieder ist ein Jahr vorbei, wir versammeln uns, brechen gemeinsam auf. Derselbe Ablauf, derselbe Rhythmus, und dazwischen Leben und Tod.



[Regensburg, 11.10.25]

Der Anfang des wahrscheinlich letzten Kapitels meines neuen Buchs (Stand jetzt = Schreibphase und noch vor der ersten Überarbeitung) 🙂

„Ein ungewöhnliches und einzigartiges Buch“

Bisheriges Feedback:

Die Unterirdischen Seen:

Finde dein Buch wirklich gut… Bin ja nicht sooo die Leseratte, aber ich finde, du hast nen guten flow… Finde auch gut, wie du die Gesellschaftlichen Themen mit rein-bringst… Wird reinbringst zusammen geschrieben oder eher rein bringst ach naja… Drücker 😘 (L. H.)

Hat mich schwer beeindruckt, so viele Ebenen, so viel Bedeutung u Philosophie in so wenigen Worten, hoffe dass es viele Menschen lesen (S. G.)

Wasser, Nebel, Wiederkehr, Verwirrung. Heimat oder nicht? Emotionen auf Knopfdruck. Ein mulmiges, angstlüsternes Gefühl ergreift mich und doch ist es die Neugier, die mich nicht aufhören lässt. Absolute Leseempfehlung! Ein Buch von Lenka Kerler zum fließenden Ein- oder Abtauchen in Welten, die man zuvor nie betreten hat. (E.K.)

Ein ungewöhnliches und einzigartiges Buch. (Dr. N.R.)

Und I sags da / I war so aufgeregt und hab so Angst ghabt / Und hab dann dei Buch gelesen und des is echt so spannend dass ma dann nima an was anderes denkt 😍 (A. G.)

Ich habe das Buch bekommen – und musste es nahezu in einem Rutsch lesen, weil es mich in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichte hat mich verwirrt und nachdenklich zurückgelassen … aber ich wurde ja vorgewarnt, dass es kein happy end geben wird 🙂 Tiefgründig, faszinierend – vielen Dank für deine Geschichte! (Y. P.)

heyy, ich hab gerade dein buch beendet. und ich schreib des jetz ned weil du meine freundin bist, sondern weil ich dir einfach gern sagen würd dass ichs super fand und dass ich ganz schön begeistert bin dass du einfach ein buch geschrieben hast 🤩

also zeitweise konnt ichs gar ned aus der hand legen, weil ichs so spannend fand.

viele fragen natürlich in meinem kopf, mein hirn will immer wissen was vlt wirklichkeit is, welche personen es vlt wirklich gibt, und was/wen ned, aber die fragezeichen sollen ruhig bleiben 🙂 

außerdem hab ich dich ganz oft „sprechen“ hören, weils einfach dein sprachgebrauch is, des war iwie witzig. 

also alles in allem find ichs sehr gelungen, gut ich bin jetz ned sooo die buchexpertin aber mir hats einfach gefallen. bissl mystisch, bisschen duster und ich würd auch gern mal in ein fühlhaus gehen! 🤍 (V.P.)

Ich finde das Buch spannend. Streckenweise war ich sehr versunken, es ist gut geschrieben. Manchmal hat mich nur irritiert, dass es mit Dialekt geschrieben ist. Das ist ungewöhnlich. 

Ich war zeitweise auch verwirrt beim Lesen, habe die ganze Zeit versucht, die Parallelen zu dir zu finden und bin mir immer noch nicht sicher, welche Stadt und welche Menschen gemeint sind, aber bin sehr sicher, dass sie Vorbilder haben. Die ganze Zeit hatte ich auch ein mulmiges Gefühl – all der Nebel…

Und das Ende, tja, rätselhaft, sehr zwischen Dystopie und Utopie, ein bisschen viel fand ich manchmal. Ungewohnter Mix aus Roman und aufgeschriebenen Gedanken, aber irgendwie auch (zu dir) passend. 

Ich mochte die Gedichte zwischendrin. 

Ich will in einem Buch immer wissen, was wahr und was erfunden ist und das fällt mir hier schwer, vielleicht auch, weil ich dich kenne, oder gerade nicht? So genau weiß ich das nicht. Es klingt auf jeden Fall sehr nach dir!

Und ich mag Frau Zora und ihr Kaminzimmer! 🙂 (E. H.)

Das muss dieses Leben sein:

Bei dem Gedicht hab ich so geweint! (N.N.)

Wem meine Texte gefallen, der ist herzlich dazu eingeladen, mich auch mit meinen Büchern zu unterstützen:

Dieses Jahr habe ich meinen ersten Roman Die Unterirdischen Seen“ veröffentlicht sowie eine kleine Gedichtsammlung mit meinen Lieblingsgedichten aus den Jahren 2019 bis 2023 („Das muss dieses Leben sein“).

Die Bücher gibts überall, wo’s Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Jede Bestellung und auch jedes Feedback/ jede Online-Bewertung hilft 🙂

Danke schon mal ❤

Wo gehen Amseln zum Sterben hin?

Fallen sie einfach vom Baum? Stürzen sie sich in einen Fluss? Landen sie in der Regenrinne und die nächste Sturzflut trägt sie für immer davon?

Unser Schorschi, der so oft für uns gesungen hat, den wir erkannten, selbst wenn er auf dem Dach des Nachbarhauses saß, ist nicht mehr da.

Vielleicht macht er Urlaub, hoffen wir, vielleicht hat er mal die Umgebung gewechselt.

Schon seit Wochen kommt er nicht mehr angeflogen, bettelt nicht mehr um Weinberli (Rosinen), trällert uns keine seiner Arien mehr vor.

Ist er mit seiner Familie umgezogen? Hat er seit der Scheidung das Dorf gewechselt? Hat er Stimmbandprobleme?

Manchmal war er so frech und ist ins Haus hineingehüpft, einmal bis ins Wohnzimmer und dann wieder auf die Spüle in der Küche, wo er uns ein kleines Geschenk daließ.
Er kam angeflogen, wenn er durch die großen Glasfenster sah, dass einer von uns Zweibeinern die Küche betrat, oder wenn wir mit dem Fahrrad oder Auto nachhause kamen. Selbst durchs Telefon habe ich ihn erkannt, wenn meine Mama auf der Terrasse oder am Esstisch saß, seine Melodie war ohnegleichen.

Doch nicht nur dadurch unterschied er sich von den anderen Amseln: Sein Gefieder war zerrupft, sein Bauch wurde immer kahler. Vielleicht war er wirklich krank und gab doch bis zuletzt alles, um seine Fans und Gönner zu unterhalten.

Als meine Eltern dann zwei Wochen im Urlaub waren, kam er danach nicht wieder. Ein oder zwei Mal noch ließ er sich von Weitem blicken, bis es eines Tages ganz still war und niemand mehr vom Hausdach gegenüber pfiff.

Ich hoffe einfach, er ist ebenfalls in den Urlaub geflogen, ganz lang, den Sommer über. Ich hoffe, er hat eine wunderschöne Zeit.

(Regensburg, 31.7.25)

Wem meine kurzen Texte gefallen, der ist herzlich dazu eingeladen, mich auch mit meinen langen Texten zu unterstützen:

Dieses Jahr habe ich meinen ersten Roman Die Unterirdischen Seen“ veröffentlicht sowie eine kleine Gedichtsammlung mit meinen Lieblingsgedichten aus den Jahren 2019 bis 2023 („Das muss dieses Leben sein“).

Die Bücher gibts überall, wo’s Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Jede Bestellung und auch jedes Feedback/ jede Online-Bewertung hilft 🙂

Danke schon mal ❤