Ich liebe Dich Es warst immer nur Du, in jedem, den ich jemals geliebt, ein Teil von Dir. Wie Schleier von den Augen fiel mir die Erkenntnis: Das alles bist Du. Warum nur dann liebst Du mich nicht auf gebührende Weise? Die vielen Stimmen in meinem Kopf, schreien durcheinander: Das hast Du aber anders gelernt! Meine Augen blicken in Deine, endlich, so tief und unergründlich. Ich lege den Spiegel weg und weine bitterlich. Wie befreiend. (Halle, 16.09.2019)
Schlagwort: Poesie
Tage
An manchen Tagen da
fühl’ ich mich so zerbrechlich, gar durchlässig,
als würd’ ich nicht deinen Fuß,
sondern alle Last der Welt tragen
und jegliches Gefühl der Menschen durch mich hindurch gehen.
Ich verschwinde ins Nichts,
mein Körper trennt sich von meinem Selbst,
ich wand‘re über die Erde,
Mutter, Schwester, Tochter allen Frauen der Welt.
(Aus dem „Uterusaurus“)
Ein Abend Ende November
Deine Küsse Deine Blicke durch den Raum mich suchend unsichtbare Bande durch die ganze Wohnung lass uns tanzen lass uns küssen lass mich nachhause gehen es ist spät sehnsucht nach dir ohne zu wissen wer du bist alles nur in meinem Kopf? An jenem Abend geflohen, doch mit dem Wissen von jetzt wär ich so früh nicht gefahren. Lass uns tanzen lass uns küssen aber langsam im Kreis nicht zu schnell zu schwindel erregend Eine Woche wie ein ganzes Jahr. (Halle, 14. Dezember 2019)
Ein Gedankenspiel
Frei sein. Loslösen. Ich stelle mir vor, nicht von hier zu sein, sondern von einem anderen Planeten. Ohne Wörter für uns Alltägliches. Ohne Vorstellung, wie die Welt funktioniert, nur beobachtend.
Das erfordert enorme Kraft: Genau hinsehen, was für uns Menschen ganz „normal“ ist, was naturgegeben, was von uns gebaut, kultiviert, künstlich ist. Vergessen. Das Überflüssige vergessen. Alles.
Was sind gewisse Vorannahmen, die ich aufgrund meiner Erfahrung mache und mit der ich Dinge beschreibe? Was sehe ich nicht aufgrund meiner Erfahrung? Auf was lege ich besonderes Augenmerk?
Sehe und beschreibe ich manche Dinge so aufgrund meines kulturellen und sonstigen „Hintergrunds“? Aufgrund der Erzählungen, mit denen ich aufgewachsen bin?
Wie erlebe ich mit all meinen Sinnen – oder gar ohne sie? (Bei diesem Gedankenspiel gehe ich davon aus, dass der Ausserirdische die gleichen Sinne hat wie wir Erdenbewohner.) Teilweise fehlt mir der Wortschatz, um Dinge „exakt“ zu beschreiben, doch dann kommt die Poesie ins Spiel – beziehungsweise muss ich mit mir bekannten Wörtern das mir Unbekannte wiedergeben.
(Wird der Außerirdische verstehen, was Liebe ist? Was Ehe ist? Alle vom Menschen gemachten Regeln, Grausamkeiten, Zerstörungen seines eigenen Planeten?)
(Halle, 18.05.19)
Einmal seh’n wir uns wieder
im nächsten leben ich bin
auf der suche nach dir
versprochen uns immer
zu suchen
zu helfen
irgendwann aus diesem
labyrinth aus träumen
zu entkommen
was ist realität
in welcher lebst du am liebsten
Versprochen uns
auch nach dem tod zufinden
wiederzusuchen
gemeinsam
aus dieser hölle auszubrechen
alleine unmöglich
nur zu zweit finden wir ihn
du hast den plan und ich die taschenlampe
sag mir den weg
ich leuchte dir.