Der Beweis neben mir

Du 
neben mir
die Erinnerung
der Beweis
meiner Existenz
am Leben zu sein

❤

[Regensburg, 25.07.2026]




Wem dieses Gedicht gefallen hat, der findet noch mehr dieser Art in meiner Gedichtsammlung „Das muss dieses Leben sein“ mit meinen Lieblingsgedichten aus den Jahren 2019 bis 2023.

Wer es gerne länger mag: Meinen ersten Roman „Die Unterirdischen Seen“ gibts überall, wo’s Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Jede Bestellung und auch jedes Feedback/ jede Online-Bewertung hilft 😉

Danke schon mal und viel Spaß beim Lesen ❤

Lass mal wieder

Lass mal wieder einfach nur Mensch sein.

Keine Ansammlung von Identitäten und Opferrollen. Mehr schauen, was wir tun, und nicht, was wir sind. Mehr Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, statt sich nur über andere zu beschweren. Anpacken, statt zu erwarten, die Welt schulde uns was.

Lass mal wieder mehr nachdenken, eigene Gedanken und Ideen entwickeln, nicht nur Phrasen dreschen und linientreu sein.

Lass mal erkennen: Ich hab ein wenig Recht, du hast ein wenig Recht. Und eigentlich wissen wir nur, dass wir nichts wissen. Lass mal weniger Meinungen haben, mehr Bücher lesen und Zusammenhänge verstehen, weniger vereinfachen und mehr Ambiguität tolerieren.

Lass mal mehr Liebe ins Herz statt Bitterkeit und Hass. Lass mal aus dem anderen weniger Feindbild machen. Weniger in Schubladen, Kategorien, Identitäten denken, weniger in schwarz und weiß, rechts und links, die Bösen und die Guten. Lass mal nicht mehr ganze Gruppen von Menschen dämonisieren, sie zu Nummern, Tieren, Begriffen reduzieren.

Wieder weniger denken, man sei besser als die anderen. Ein „besserer“ Mensch, weil man gewisse Überzeugungen hegt. Benimmst du dich wie ein guter Mensch? Was tust du, um die Welt besser zu machen? Dich über andere erhöhen? Hass und Unwahrheiten verbreiten, weil sie in dein Weltbild passen? 

Lass mal wieder mehr für andere freuen, statt sie zu beneiden, lass mal wieder dankbar sein für das, was wir haben.

Lass mal weniger beleidigt sein, nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, jedes Gefühl und sich selbst zu ernst nehmen, die Schuld für die eigene Reaktion nicht immer nur bei anderen suchen. Lass mal weniger auf selektive Empörungswellen reinfallen, die doch nur denjenigen nutzen, die davon Reichweite erzielen.

Lass uns doch wieder richtig zuhören, uns umarmen und trösten, uns anlächeln und verzeihen, uns sehen als die Menschen, die wir sind.

———

(Regensburg, 5.7.2026)

Ein Jahr „Das muss dieses Leben sein“

Vor einem Jahr hab ich dieses kleine Büchlein rausgebracht, in dem all meine (und eure) Lieblingstexte aus den Jahren 2019-2023 enthalten sind. Wer mich also gern liest, v.a. meine Gedichte, dem sei es nochmal ans Herz gelegt 🙂

Zu finden ist es beispielsweise hier und überall, wo es Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Inhaltsverzeichnis (1. Seite)

Schwerter und Mauern

Die Schwerter gekreuzt,
alles steht
auf Angriff und Abwehr.
Hier macht sich keiner mehr breit,
wir wissen,
wie das endet.

Jedes kleinste Zeichen
Verrat und Betrug,
unerfüllbare Erwartungen,
an der Wirklichkeit vorbei
mit Absicht kreiert.

So wiederholt sich
Geschichte,
bestätigen sich
Erfahrungen.

Ich hatte mal wieder
Recht,
sagt der Kopf,
bedauernd und befriedigt.

Und hält die Hände
schützend über das
weinende, eingesperrte
Herz.

[Essenbach, 3.4.21]

Steinmetz

Sei du selbst.

Das sagt sich so einfach, wenn ich doch all die Jahre, in denen ich mein Ich formte, vergessen habe, wer ich eigentlich bin.

Hallo, liebes Selbst, was hättest du denn gerne? Wer bist denn du eigentlich, sag mal, erzähl mal was von dir.

Ein grober, unbearbeiteter Stein, darin ein diamantener Kern. Schicht für Schicht entfernen wir, die Hammerschläge schmerzen. Doch wenn das Stück Stein abfällt: Erleichterung, Leichtigkeit.

Ohne Schmerzen kein Wachstum.

Durch all die Gesteinsschichten, die sich über die Jahre ablagerten, sahst du dein Innerstes nicht mehr, den reinen Diamanten, als der du geboren warst. Du sahst dich als Stein. Wer bin ich? Ein Stein. Grob und grau, einer unter vielen. Wenn alle gleich sind, lassen sie sich auch ver-gleichen.

Behutsam setze den Meißel an, lerne, was Dich umgibt, entferne radikal. Die Schichten dienten Dir als Schutz, doch nun wiegen sie zu schwer, um weiter zu gehen. Wenn Du Dich nicht von ihnen trennst, bleibst Du irgendwann liegen, stehst nicht mehr auf. Statt an Dein eigenes Ziel zu gelangen, hilfst du Anderen, ihr Ziel zu erreichen, sie treten auf Dich, benutzen Dich, Du wirst Teil des Wegs, unsichtbar und unbedeutend. Doch Du kannst es ihnen nicht vorwerfen, es lag in Deiner eigenen Hand.

Nur wenige – und das sind die, die Du festhalten solltest – erkennen den in Dir enthaltenen Schatz, sie heben Dich auf und tragen Dich ein Stück ihres Weges.

Bis Du Dich auch endlich selbst erkennst.

[Halle,14.3.21]

Statistin im eigenen Leben

Das ist eine dieser Pausen, die in Filmen einfach übersprungen werden, Schnitt, nächste Begegnung, Schnitt, und action. Das echte Leben sieht anders aus, da musst du die langweiligen Stunden des Nichtstuns aussitzen. Hausarbeit erledigen. Hygiene. Menschlichen Bedürfnissen nachgehen. Ausharren, bis wieder etwas passiert, und meistens tut es das nicht, wenn du nicht selbst etwas ins Rollen bringst. Erleben Menschen Filmreifes, die den ganzen Tag nur im Bett liegen? Wohl kaum.

Wenn ich einfach hier bleibe, mich verstecke bis zum Tag meiner Abreise, was geschähe dann? Kämen die anderen Protagonistinnen auf mich zu? Holten sie mich hier heraus und steckten mich wieder hinein ins Geschehen? Gehöre ich zur Erzählung oder bin ich nur zufällig hineingeraten, aus Versehen Teil einer größeren Geschichte, die, wenn nicht mir, jemand anderem zustieße?

Es muss so sein, ich kann mir nicht vorstellen, warum ausgerechnet ich eine besondere Rolle in einem solchen Abenteuer spielen sollte.

Ich bin ein durch und durch durchschnittlicher Mensch: Ich bin nicht schön, auch nicht hässlich, nicht dick, nicht dünn, nicht genial und nicht dumm; meine Familie ist weder reich noch arm, wir haben keine interessante Ahnengeschichte und leben schon Jahrhunderte dort, wo ich aufgewachsen bin. Ich habe keine ausgefallenen Talente, bin weder allzu sportlich noch faul, habe keine besonderen Hobbys, weswegen ich die Frage nach diesen für die persönliche Charakterprofilierung scheue; ich probiere mich aus, mache von allem ein bisschen und wenn es zu anstrengend wird, verpufft meine Motivation, als wäre sie nie gewesen.

Weder in der Schule noch im Studium fiel ich auf, ich hatte durchschnittliche Noten, kein Fach interessierte mich so, dass ich mich darin freiwillig mehr engagiert hätte, und so blieb auch mein Lebenslauf durchschnittlich.

Als die anderen Mädchen sich plötzlich für Jungs interessierten, fand ich das doof, aber ich machte mit, auch wenn ich es nie ganz verstand, warum man sich für Männer interessieren sollte, wenn es doch Frauen gab. Aber ich war durchschnittlich und wollte es sein, denn wer wäre ich schon, bei diesem Thema aus dem Rahmen zu fallen? Das hätte zu viel Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Zweimal fand ich Männer, die ich liebte und die mir das Herz brachen, doch daran war auch ich schuld, weil ich sie früher oder später von mir stieß, gelangweilt und auf der Suche nach mir. Verständlich, dachte ich jedes Mal, dass sie mich durch eine jüngere und schönere Frau ersetzt haben, ich bin viel zu fade und durchschnittlich und dort draußen warten so viele interessante Frauen, warum die Zeit also mit mir verbringen?

Ich war Statistin in meinem eigenen Leben, gelangweilt von den Erwartungen der Gesellschaft und ohne den Mut, etwas daran zu ändern. Kein Wunder also, dass mich das Leben dazu zwingen musste, aus dem Hintergrund nach vorne zu treten, von den Zuschauerrängen hinunter auf die Bühne – im Unglück steckt immer auch das Glück.

Wer das Abenteuer scheut, sollte zuhause bleiben, sollte nicht in Städte zurückkehren, die einen im Traum riefen, sollte nicht in sich plötzlich öffnende Türen treten, sollte Märchen nicht für bare Münze nehmen. Lange hatte mir das auch genügt, doch plötzlich war ich es leid, nur von anderen und über andere zu lesen. Ich wollte endlich mein eigenes Kapitel schreiben, auch wenn es mich alles kostete.

Ob Menschen wie Ewa sich auch so viele Gedanken über ihre Rolle als Hauptfigur machen? Oder sind sie es einfach und hinterfragen das nicht wie regelmäßiges Essen und Zähneputzen?


Ausschnitt aus Kapitel Vier meines Manuskripts „Die Unterirdischen Seen“.

Im Moment befinde ich mich in der gefühlt 1000. Korrekturrunde, ausgedruckt liest sich jeder Text nochmal anders. An ein paar Verlage habe ich das Manuskript bzw. Leseproben daraus schon geschickt, auch wenn ich wenig Hoffnung habe. Klar wäre es schön, wenn möglichst viele Menschen diese Geschichte lesen können, die mir so wichtig ist und für die ich so lange gebraucht habe, um sie endlich festzuhalten. Aber das ist auch das Wichtigste, ich bin einfach so stolz und erleichtert, diese Geschichte endlich geschrieben zu haben, und die Idee zum nächsten Buch wird bereits lauter. Ist das nicht schön? Ich hätte nie gedacht, dass es tatsächlich so ist, wie manche Schriftsteller:innen schreiben: Die nächste Geschichte lässt nie lange auf sich warten.

[Regensburg, 25.9.24]