wir die guten

wir sind
beleidigt empört
empfindlich getroffen
schwarzweiss

was bist du
identitätsein
die gut wir schlecht
opfersein

nur wer opfer ist zählt

alle böse alle
wie was komplex
it‘s not that deep
welche gräben gräbst
auf welcher seite stehst
du heute

wir die guten

nur unsere meinung
sicht erfahrung zählt

wählt ruft
fertige slogans
denken verboten
gefährlich
wer bin ich wenn nicht

mundtot
totschlag
sollte ich das sagen
darf man nicht

Menschsein
vergessen

(Regensburg, 9.6.26)

Ein Jahr „Das muss dieses Leben sein“

Vor einem Jahr hab ich dieses kleine Büchlein rausgebracht, in dem all meine (und eure) Lieblingstexte aus den Jahren 2019-2023 enthalten sind. Wer mich also gern liest, v.a. meine Gedichte, dem sei es nochmal ans Herz gelegt 🙂

Zu finden ist es beispielsweise hier und überall, wo es Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Inhaltsverzeichnis (1. Seite)

Poesie hat nicht immer

poesie hat nicht immer
die form
eines gedichts

nach fünfzig jahren
des schreibens
kann sich dem dichter
poesie
in form eines baumes
eines davonfliegenden
vogels
eines lichts
offenbaren

sie nimmt die form
des mundes an
die farbe des auges den klang der stimme
sie nistet im schweigen

oder sie lebt im dichter
formlos

Ein Gedicht von Tadeusz Różewicz, 13.10.1989, in der Übersetzung von Karl Dedecius.

Das muss dieses Leben sein – Die schönsten Gedichte & Kurztexte

Ab heute gibt es meine und eure Lieblingstexte aus den Jahren 2019-2023 (eine Zeit, in der ich so unglücklich war wie noch nie, dadurch aber auch am inspiriertesten) als kleines Büchlein überall, wo es Bücher gibt.

Darunter auch „Biene, stich“ (Nr. 1 meiner Top-Beiträge):

Biene, stich

Elefanten trampeln über mein Herz, woher kommen sie?

Ich spucke eine Biene aus, los los, opfere dein Leben für meines, zerstich den tonnenschweren Elefanten aus Luft!

Meine Zungenspitze ist taub, kein Summen weit und breit.

Gedankenfetzen liegen zerstreut auf dem Boden meiner Wirklichkeiten, durchtränken ihn, ertränken mich.

Hellwach lieg’ ich da, voll Freude und Trauer zugleich.


[Halle, 5.1.21]

Das muss dieses Leben sein“ findet ihr als Print on Demand oder E-Book z.B. hier.

Eventuell kann es noch dauern, bis es in allen Shops verfügbar ist, da heute erst der offizielle Erscheinungstag ist 🙂

Dachte mir, der 6.6. klingt doch ganz gut, genauso wie der 5.5., an dem „Die Unterirdischen Seen“ (neu)erschienen sind.

Schönes langes Wochenende!

Schwerter und Mauern

Die Schwerter gekreuzt,
alles steht
auf Angriff und Abwehr.
Hier macht sich keiner mehr breit,
wir wissen,
wie das endet.

Jedes kleinste Zeichen
Verrat und Betrug,
unerfüllbare Erwartungen,
an der Wirklichkeit vorbei
mit Absicht kreiert.

So wiederholt sich
Geschichte,
bestätigen sich
Erfahrungen.

Ich hatte mal wieder
Recht,
sagt der Kopf,
bedauernd und befriedigt.

Und hält die Hände
schützend über das
weinende, eingesperrte
Herz.

[Essenbach, 3.4.21]

Münchhausen lebt

Alle rufen  
erzählen durcheinander
meine Geschichte, hört
sie an, unglaublich!
Es war genau so, Schwur!

Eine davon wählen wir aus
sie passt zu uns und
in unsere Anthologie –
Märchen zum Einschlafen.

Die anderen? Vergiss sie,
mach
die Ohren zu,
sie sind nicht wahr,
Münchhausen lebt.

[Halle/S., 3.1.20]

Tat twam asi

Ich bin Alles und Nichts,
tausend Füchse und doch nur einer,
das Mädchen hinter der Kamera,
Dein Auge.

Bunt spiegelt sich die Welt in Dir,
golden gesprenkelt,
in Dir das Dasein
vereint zum Tanz der Liebenden.

Du suchst und rennst und sehnst,
unsichtbar der Weg,
Deine Karte im Herzen.

Bleib endlich stehen,
erkenn Dich in Dir, vergiss Dich
und Du siehst:

Du bist Alles, und Alles ist Du.

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[ich liebe dieses Gedicht und finde, es ist leider bisschen untergegangen, deshalb repost vom 4.6.20]

[Bild ist mit KI erstellt]

Aber wann knackt die Schale

Aber wann knackt die Schale

Da ist ein weicher Kern
den hab ich gesehen
ich hab Dich gesehen von Anfang an
aber ich kann nicht mehr ständig
anklopfen und warten
bis Du aufmachst
Dich öffnest
mir entgegen
ich brauch Dich und Du siehst nicht
wie sehr
wie oft ich gegen Deine Mauern laufe
Deine Wand aus Beton
in all den Jahren erbaut
es ist ein kaltes Land, zieh
dicke Mauern hoch
Hass, Neid, Bürokratie müssen draußen bleiben
aber auch diejenigen, die dir Gutes
die Dir helfen wollen
sie erfrieren vor Deinen hohen Wänden aus Stahl
beschützend Dein großes, weiches
weinendes Herz.

[Halle, 4.12.23]