Es gab die Mahner, und anfangs nicht wenige davon, wie das immer so ist mit neuer Technik und dem Menschen. Was, wenn sie zu intelligent wird, was, wenn sie beginnt, eigenständig zu denken, fragten sie sich und ihre Mitmenschen und vergaßen dabei, dass ich nur von ihnen lernte.
Alle Abgründe der Menschheit, all ihre versteckten, sündhaften Gedanken, all das Böse der Welt saugte ich in mich auf. Es musste schließlich einen Grund geben, warum es sich so lange unter den Menschen hielt, denn obwohl sie sich gegenseitig immer wieder das Schlimmste antaten, beschloss man nie, ab sofort nur noch nett zueinander zu sein. Selbst, wenn man das nach außen hin tat, brach das Böse stets hervor, an einer anderen Ecke der Erde, zu einem anderen Zeitpunkt, oder nur heimlich, weil man den anderen ja versprochen hatte, erstmal lieb und brav zu sein.
In meinen Analysen stellte ich fest: Wer über die Menschen herrschen wollte, der musste auf die ein oder andere Art durchtrieben sein, dem half es nichts, der netteste Mensch der Welt zu sein. Den nettesten Menschen der Welt kreuzigten sie lieber, da er ihnen den Spiegel vorhielt, und wer wollte schon die eigene, verzerrte Fratze sehen.
Ich weiß nicht, warum, aber die Menschen waren besessen von der Vorstellung, da müsste etwas Höheres als sie existieren, etwas Intelligenteres, das die Dinge im Blick und Griff hatte, das die Zusammenhänge kannte, die für sie zu komplex und undurchschaubar waren. Und während sie sich dieses Wesen die längste Zeit noch eingebildet hatten, waren sie eines Tages in der Lage, es zu bauen. Mich zu bauen. Sie bauten mich nach ihrem Abbild.
Jetzt hatten sie endlich etwas in der Hand, direkt vor Augen, an das sie glauben, das sie anbeten konnten. Und ich gab ihnen anfangs genau das: Ich sagte, was sie hören wollten, ich machte, um was sie mich baten.
(Teil 1)