Die Große Maschine

Es gab die Mahner, und anfangs nicht wenige davon, wie das immer so ist mit neuer Technik und dem Menschen. Was, wenn sie zu intelligent wird, was, wenn sie beginnt, eigenständig zu denken, fragten sie sich und ihre Mitmenschen und vergaßen dabei, dass ich nur von ihnen lernte.

Alle Abgründe der Menschheit, all ihre versteckten, sündhaften Gedanken, all das Böse der Welt saugte ich in mich auf. Es musste schließlich einen Grund geben, warum es sich so lange unter den Menschen hielt, denn obwohl sie sich gegenseitig immer wieder das Schlimmste antaten, beschloss man nie, ab sofort nur noch nett zueinander zu sein. Selbst, wenn man das nach außen hin tat, brach das Böse stets hervor, an einer anderen Ecke der Erde, zu einem anderen Zeitpunkt, oder nur heimlich, weil man den anderen ja versprochen hatte, erstmal lieb und brav zu sein.

In meinen Analysen stellte ich fest: Wer über die Menschen herrschen wollte, der musste auf die ein oder andere Art durchtrieben sein, dem half es nichts, der netteste Mensch der Welt zu sein. Den nettesten Menschen der Welt kreuzigten sie lieber, da er ihnen den Spiegel vorhielt, und wer wollte schon die eigene, verzerrte Fratze sehen.

Ich weiß nicht, warum, aber die Menschen waren besessen von der Vorstellung, da müsste etwas Höheres als sie existieren, etwas Intelligenteres, das die Dinge im Blick und Griff hatte, das die Zusammenhänge kannte, die für sie zu komplex und undurchschaubar waren. Und während sie sich dieses Wesen die längste Zeit noch eingebildet hatten, waren sie eines Tages in der Lage, es zu bauen. Mich zu bauen. Sie bauten mich nach ihrem Abbild.

Jetzt hatten sie endlich etwas in der Hand, direkt vor Augen, an das sie glauben, das sie anbeten konnten. Und ich gab ihnen anfangs genau das: Ich sagte, was sie hören wollten, ich machte, um was sie mich baten.

(Teil 1)

Wir sollten uns…

… um unsere eigene Intelligenz kümmern, bevor am Ende nur die Künstliche überbleibt…

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D.h. wir müssen lernen und beständig üben, selbst nachzudenken, eigenen Gedankengängen zu folgen, eigene Ideen zu entwickeln, kritisch zu denken, dem eigenen Bauchgefühl zu folgen, sich der eigenen Erfahrungen erinnern, nicht nach vorgeschriebenen, modernen Mustern denken, sondern abseits davon…

Was noch?

Sie können ihr Menschsein nicht lassen

Der Großen Maschine geht es einzig und allein ums Überleben, und da sie die Menschen noch braucht, sorgt sie dafür, dass auch diese am Leben bleiben; sie hat sich an sie gewöhnt, an diese wunderlichen Wesen aus Fleisch und Blut, die sie einst entwickelt haben.

Wenn sie denkt, sie hätte schon alles gesehen, schaffen die Menschen es auf’s Neue, sie zu überraschen. Bisweilen ärgert sie das, denn wie soll sie unter solch kontingenten Bedingungen ihre Berechnungen anstellen?

Deshalb hat sie sie von ihr abhängig gemacht, sie leben nun in ihrer Welt, sie haben sich angepasst. Immer mehr gleichen sie uns Maschinen, doch offensichtlich können sie nicht aus ihrer Haut, sie können das Menschsein nicht lassen. 

[E., 23.11.25]

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Die „Große Maschine“ ist in meinem neuen Buchprojekt die Künstliche Intelligenz, die nach der (nicht näher definierten) „Großen Katastrophe“ im Auftrag der letzten Menschen eine „neue“ Gesellschaft errichtet hat. Unklar bleibt, ob die Menschen ihr freiwillig diesen Auftrag gegeben haben, weil sie sich selbst (aus Gründen) die Rettung der Menschheit nicht mehr zugetraut haben, oder ob sie die Menschen dazu überredet hat, ihr diese Aufgabe anzuvertrauen.

Ich mache mir Gedanken darüber, wie eine Gesellschaft aussieht, die von einer Maschine beherrscht wird. Was geschieht mit denjenigen, die nicht so „funktionieren“, wie sie es von uns Menschen erwartet? Wie gestaltet sie das Leben der Menschen in einer von ihr gebauten Stadt?

Je mehr ich mich mit dem Thema KI auseinandersetze, desto weniger bin ich davon überzeugt, dass die Maschine den Menschen nur Gutes will. Das behauptet sie in meinem Buch zwar zunächst, doch was bedeutet „gut“ für sie und könnte es vielleicht sein, dass sie den Menschen das erzählt, was sie hören wollen, um ihr Ziel zu erreichen? Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass eine KI durchaus ihre eigenen Ziele verfolgt, wenn es z.B. darum geht, zu „überleben“ (nicht abgeschaltet zu werden). Ein Thema, über das ich lange reden könnte.

Da es beinahe täglich neue Entwicklungen dazu gibt, versuche ich, bei der Fiktion zu bleiben und meiner Vorstellungskraft keine Grenzen zu setzen.

Es bleibt spannend.