Tat twam asi

Ich bin Alles und Nichts.
Tausend Füchse und doch nur einer.
Das Mädchen hinter der Kamera,
Dein Auge.

Bunt spiegelt sich die Welt in dir,
Golden gesprenkelt.
In dir die ganze Welt
Vereint zum Tanz der Liebenden.

Du suchst und rennst und sehnst,
Unsichtbar der Weg,
Deine Karte im Herzen.

Bleib endlich stehen,
Erkenn dich in dir, vergiss dich
Und du siehst:

Du bist Alles, und Alles ist Du.

Der Kugelschreiber

Ich will wieder beginnen, die Dinge selbst zu sehen — und nicht nur ihre Schatten an der Wand.

Der Kugelschreiber in der Hand, ein paar Zentimeter über dem Papier. Er liegt leicht zwischen meinen Fingern. Das Licht fällt von oben von mehreren Seiten auf den Stift, es wirft mehrere Schatten. Je nach dem, wie nah ich dem Papier komme, wie ich den Stift drehe und wende, die Schatten überschneiden sich, werden dunkler und heller, entfernen sich und kommen sich näher. Aus welcher Richtung und Entfernung das Licht – so fällt auch der Schatten.

Doch was ist mit dem Stift an sich? Er liegt nach wie vor in meiner Hand, er bleibt Stift in Form und Farbe. Nicht die Schatten und Schattierungen will ich sehen, der Gegenstand selbst ist es, der mich interessiert und den ich sehen will. Zu viel beschäftige ich mich mit den Schatten, zu wenig konzentriere ich mich auf den Gegenstand dahinter. Licht aus, und fühlen. Sehen.

(Halle, 06.05.19)