Freiheit im Denken und Schreiben

Früher* dachte ich: Weil ich keine besondere Biografie oder Familiengeschichte habe, hätte ich auch kein „Recht“ darauf, Schriftstellerin zu sein, denn von was soll ich erzählen?

Meine Familien väter- und mütterlicherseits kommen seit vielen Generationen aus der Gegend zwischen Landshut, Passau und Regensburg, ich hatte eine wunderschöne Kindheit am Dorf, meine Eltern sind noch zusammen, keiner von uns hat Krieg oder sonstige Traumata durchlebt (Gott sei Dank!). Ich lebe in einem Land, in dem es uns so gut geht und wir so viele Rechte haben wie nur in wenigen anderen Ländern dieser Erde.

Von was also erzählen? Warum sollte jemand das, was ich schreibe, lesen wollen? 

Mittlerweile habe ich erkannt: Genau das macht mich aus. Ich bin frei in meinem Denken und Schreiben, kann mich in Welten träumen und meine eigenen erfinden, unabhängig von allen und allem.

Freilich, auch ich muss mich noch von all den Filtern und Vorurteilen lösen, durch die ich die Dinge und Menschen betrachte. Ich muss Denkschablonen, mit denen ich aufgewachsen bin oder die ich mir mit der Zeit auferlegt habe, erkennen und Stück für Stück loswerden.

Die Welt ohne ideologische Brille zu sehen und Fragen zu stellen, die über meine Person hinausgehen – das ist mein Ziel. 

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Gedanken über mein Schreiben, Sonntag 14.6.26

* Interessanterweise habe ich als Mädchen im Alter von ca. neun bis elf Jahren noch nicht so gedacht. Damals habe ich noch ohne Zweifel in mein Freundschaftsalbum geschrieben unter der Rubrik „Das will ich werden“: Schriftstellerin (und „Malerin“, aber des wird nix mehr haha). Geschichten geschrieben, Welten und faszinierende Fantasiewesen erfunden habe ich nämlich schon immer.




Ob ich meinem Ziel ein Stück näher gekommen bin, könnt ihr in meinem ersten Roman „Die Unterirdischen Seen“ nachlesen. Den gibts überall, wo es Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Mit jedem Kauf und/oder jeder Rezension unterstützt ihr mich, danke schon mal von Herzen ❤

wir die guten

wir sind
beleidigt empört
empfindlich getroffen
schwarzweiss

was bist du
identitätsein
die gut wir schlecht
opfersein

nur wer opfer ist zählt

alle böse alle
wie was komplex
it‘s not that deep
welche gräben gräbst
auf welcher seite stehst
du heute

wir die guten

nur unsere meinung
sicht erfahrung zählt

wählt ruft
fertige slogans
denken verboten
gefährlich
wer bin ich wenn nicht

mundtot
totschlag
sollte ich das sagen
darf man nicht

Menschsein
vergessen

(Regensburg, 9.6.26)

Gemeinsam

Ein Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn weniger auf die Unterschiede zwischen uns Menschen geachtet würde und mehr auf unsere Gemeinsamkeiten?

Wenn nicht mehr die Hautfarbe, das Geschlecht, die Religion von Bedeutung wäre, sondern „nur“ unser Menschsein?

Warum ständig dieses Auf-, Ein-, Unterteilen, dieses Werten ganzer Gruppen von Menschen, denen wir dadurch ihre Individualität absprechen?

Jeder Mensch kann Täter* sein, egal, was zwischen seinen Beinen ist, woher er kommt oder welcher Religion er sich zugehörig fühlt. Nichts entschuldigt die Verletzung von Menschenrechten. Anders ausgedrückt: Die eigene Diskriminierung in diesem Raum entschuldigt nicht die Diskriminierung anderer im Raum nebenan.

Statt abzuwiegen, wer mehr Rechte hat als die anderen, wer mehr diskriminiert wird als andere, statt eine Opferkonkurrenz zu fördern und Gesellschaften noch weiter zu spalten — wie wäre es damit, den Fokus darauf zu richten, was uns allen gemein ist?

Das da ist: die Liebe, die Angst, alle Empfindungen dazwischen, die Freude und das Leid.


[geschrieben am 2.2.22 in Halle/Saale]

* Ursprünglich hab ich geschrieben: A****loch. Statt diesem Wort verwende ich lieber „Depp“, a la „Deppen gibt’s überall“. Der Ausdruck scheint mir aber manchmal zu schwach zu sein.

Das Experiment klingt so wahnsinnig, ja naiv einfach durchführbar, aber ich habe das Gefühl, dass uns Menschen trotzdem kaum etwas schwerer fällt. Ich habe den Text schon einmal veröffentlicht, aber gerade scheint ein guter Moment, es noch einmal zu tun.