
„…to the level of mindless servants of iron geniuses, and perhaps they will begin to worship them as gods…“ (Stanisław Lem)
Ein Wandgemälde in Podgórze, Krakau. 🙂

„…to the level of mindless servants of iron geniuses, and perhaps they will begin to worship them as gods…“ (Stanisław Lem)
Ein Wandgemälde in Podgórze, Krakau. 🙂
Was, wenn du über Nacht zum Nichtsnutz wirst, einem Käfer, der auf dem Rücken liegt und nur darauf wartet, bis ihn jemand umdreht? Wer hätte dich dann noch lieb? Wer würde dich besuchen, dir zu essen bringen, sich um dich kümmern? Wie lang würde es dauern, bis du zur Last wirst, bis die Menschen um dich herum sich insgeheim denken: ach, warum stirbst du nicht einfach, es wäre besser für uns alle. Kannst nicht mehr arbeiten gehen, dich nicht verständigen und lächeln, nur liegen, Sekrete absondern, mit deinen Fühlern und Beinchen zappeln.
Was ist das für ein Leben? Was hast du angestellt, um so zu enden? Und warum tust du nicht alles dafür, wieder Mensch zu sein? Machst du das absichtlich, damit du nicht zur Arbeit gehen musst? Auf der faulen Käferhaut liegen und sich von uns aushalten lassen, das sehen wir gern!
Und du, du liegst nur da, selbst erschrocken über dein Schicksal; wer bin ich, denkst du, wenn ich zwar weiß, ich bin derselbe, hab mich über Nacht nicht geändert, blicke aus denselben Augen wie noch vor Stunden, doch mein Körper und alles, über das ich mich definierte, ist verschwunden. Du bleibst Käfer, abhängig vom guten Willen anderer, an der schon wunden Zitze der Hoffnung saugend, manchmal kommt noch ein Tropfen, immer öfter nicht mehr.
Wer bin ich? Und wie lange warte ich, bis sie das ersehnte Gegengift finden? Was, wenn sie keines suchen, oder sich Zeit lassen damit, pressiert ja nichts, wen kümmert schon ein ekliger, fauler Käfer, warum in ihn investieren, wenn wir nicht wissen, ob sich das am Ende lohnt?
Gib noch nicht auf, flüstert die Hoffnung, morgen schon könnte alles vorbei sein, ein langer, schrecklicher Albtraum war‘s, doch auch dieser endet, wenn du mit dem nächsten Tag endlich erwachst.
Mir träumte heute: Zwei Männer fahren mich zu meinem neuen Zuhause, der Zug ist ausgefallen, sie haben mich mitgenommen, dafür biete ich ihnen einen Schlafplatz in meinem viel zu großen Haus an. Ich kenne das Haus gut, viel zu gut, auch wenn es, wie in Träumen üblich, etwas anders aussieht als in echt. Aber es ist das Reihenhaus, in dem ich meine halbe Kindheit verbrachte, in dem meine Mama aufgewachsen ist und meine Großeltern bis vor kurzem noch gelebt haben.
Ich war gerade erst da, ist nicht lange her, denke ich, müsste also aufgeräumt und ordentlich sein, bereit für Gäste. Wir betreten das Haus in der Vorfreude, uns nach der langen Reise etwas erholen zu können, doch schockiert bleibe ich noch im Eingangsbereich stehen: Es sieht aus, als wären Jahrhunderte vergangen, seit ich das letzte Mal hier war, mir wird übel.
Auf dem Boden liegt Erde, überall kringeln sich fette, weiße Maden. Wir haben Hunger, sehen in den Schränken in der Küche nach, ob Oma uns etwas hinterlassen hat. Hinter jedem Türchen stapeln sich Kastenkuchen mit Kirschen, auch sie wimmeln von Maden. Wo wir nur hinsehen: Kirschkuchen und Maden.
Einer der zwei Jungs beginnt, die Maden auf dem Boden aufzusaugen, mit dem anderen gehe ich in den riesigen Garten, auch er verwildert, der einstmals so gepflegte Rasen voller Eicheln. Hier könnten wir einen Rave veranstalten, sagt der Typ, dessen Name ich nicht kenne, und ich nicke, wär gut, aber was ist mit den Nachbarn, ich muss ja jetzt hier leben.
Ich weiß nicht, wie es ausgegangen ist. Ich träume oft vom Reihenhaus von Oma und Opa, beinahe täglich gehe ich daran vorbei, doch nur im Traum kann ich es betreten, jetzt wohnen dort andere, fremde Leute.
Jede Nacht träume ich wild und bunt, doch nicht jeder Traum prägt sich so ein wie dieser (oder der letzte Gorilla-Traum).
Es bleiben nur wenige Minuten am Tag, in denen ich kurz und knapp meine Gedanken auf Papier bringen kann, manchmal bleibe ich mitten im Satz, mitten im Denken stehen und habe vergessen, was ich eigentlich sagen wollte.
Manchmal gelingt mir ein längerer Absatz, doch kurz nachdem ich ihn zu Ende geschrieben habe, habe ich auch schon vergessen, was da steht. Muss mich dann hinlegen, Augen schließen, schlafen, wenn es geht.
Viel zu oft drücke ich mich sehr einfach aus, weil ich keine anderen Wörter habe, nicht nur, weil die Große Maschine unseren Wortschatz von Anfang an klein gehalten hat, auch, weil ich sie nicht finde, die Wörter, die so viel besser passten.
Hauptsache, man versteht mich. Hauptsache, ich verstehe mich, bringe das, was ich sagen will, auf Papier.
Manchmal liege ich regungslos im Bett, will und muss eigentlich schlafen, genau in diesem Moment kommen mir jedoch die besten Ideen, die schönsten Sätze. Allein mir fehlt die Kraft, sie aufzuschreiben, oder sie wenigstens zu diktieren, Sprechen kann so anstrengend sein. Dann muss ich hoffen, dass der Satz zu wichtig ist, ihn zu vergessen, dass er unbedingt aufgeschrieben werden will. Wo habe ich das gehört, war es Augustin, der sagte, man könne nur das vergessen, was man niederschreibt, was nicht wichtig war, denn alles, was von Bedeutung, was wahres Wissen ist, das geht dir nicht verloren, das bleibt für immer in dir.
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Schreiben und ME/CFS geht sich oft nicht aus. Ich habe das Glück, dass ich noch einigermaßen in der Lage dazu bin, nicht jeden Tag, aber doch oft genug. Es hält mich psychisch über Wasser, sag ich immer.
Es hat alles zwei Seiten: Wäre ich nicht zum Zuhausebleiben gezwungen, wäre ich also imstande, unter die Leute zu gehen, zu arbeiten – ich hätte vermutlich nicht die Zeit, Ruhe und Muße, das zu schreiben, was geschrieben werden muss. Und es MUSS, es muss alles hinaus, die innere Unruhe, die ich zehn Jahre wegen der „Unterirdischen Seen“ verspürt habe und die erst weg war, nachdem ich sie veröffentlicht habe (sie also raus aus meinem „System“ waren), will ich nicht nochmal erleben. Vielleicht ist das so mit dem Künstlerdasein. Man wird unruhig, wenn man nicht „schafft“, die Ideen ziepen und zerren so lange an dir, bis du sie verwirklichst.
(Ich sehe mich immer mehr als Künstlerin, akzeptiere quasi dieses Los, auch wenn es sich komisch, ja geradezu anmaßend, anfühlt, das auszusprechen. Doch es ist, wie es ist: Ich muss schreiben, komme, was wolle. Gleichzeitig frage ich mich: Wäre das auch so, wenn meine Situation nicht die wäre, die sie ist? Würde ich auch dann den inneren Rufen folgen oder doch nur den Erwartungen von außen? Und wie lange würde das gut gehen?)
Wenn es nicht von der Großen Maschine kommt, wer hat es dann geschaffen? Das Flüstern der Blätter, den Chor der Vögel, die vielen Farben des Himmels. Es muss jemand mit unglaublich hohen Rechenkapazitäten sein, denn alles ist perfekt aufeinander abgestimmt, so vielfältig und doch miteinander verbunden.
Augustin begleitete mich heute an das Bächlein, das tief drinnen im Wald fließt, wo nichts anderes existiert als wir und das Grün, das atmet und uns mit geduldigen Augen verfolgt. Ein wenig furchtsam auch, schließlich hat es von uns Menschen schon gehört, Bäume sind alte Tratschtanten.
Was soll ich sagen, ich bin ein Waldmensch : ) Schönen Sonntag!
Was, wenn die Stille so groß ist und jedes Wort zu viel? Oder besser: zu wenig, zu ungenügend, warum den Frieden mit Buchstaben stören, die ja doch nur meine Unbeholfenheit ausdrücken?
Gerade will ich nichts sagen, nichts schreiben, lausche einfach nur der Stille und hülle mich ein, so warm war mir in ihrer Gegenwart noch nie.
Freilich, die Geschichten klopfen an, wollen hinaus, hämmern bisweilen von innen an meinen Hinterkopf. Jaja, ruf ich ihnen zu, geduldet euch, bald seid ihr dran, aber sucht euch wen anders, wenn es euch pressiert, mir nämlich gerade nicht.
Diese Ruhe ist die Ausnahme, war sie bis vor kurzem noch, denn eigentlich weiß ich, mir bleibt nicht viel Zeit. Doch ist es nicht das wahrlich Erstrebenswerte, das Nichts auszuhalten? Sich dem großen schwarzen Etwas in mir zu stellen und sich an dessen Abgrund sogar wohlzufühlen?
Das, was ich schreiben soll, werde ich schon noch schreiben, weiß ich.
Warum also mehr wollen, wenn ich mich so im Frieden fühle wie nie zuvor?
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Zur Zeit fällt es mir schwer zu schreiben, aber das wird schon wieder. Lieber lese ich grad, und zwar „… mit zerissenem Schlaf im Gesicht“ von Normen Gangnus. Ein Buch, das mir den Glauben an die deutsche Gegenwartsliteratur wiedergibt. Unfassbar poetisch geschrieben, kanns nur jedem empfehlen.
Guten Rutsch wünsch ich Euch und einen guten Start ins neue Jahr! ✨
Ein Weihnachtswunder: Heute morgen ist eine Amsel auf unserer Terrasse gelandet, direkt vor der Tür, und wir wussten genau, was sie wollte. Ist das Schorschi? Haben wir uns gefragt. Aber er sah kleiner, gesünder aus, und wir haben ihn doch schon für tot erklärt, nachdem er monatelang nicht mehr angeflogen kam. Er kann es nicht sein. Oder?
Warum weicht er dann nicht zurück, wenn wir die Tür öffnen, wenn wir riesigen Zweibeiner vor ihm stehen, warum wirkt es, als erkenne er uns? Er hat keine Angst, schnell hüpft er heran und pickt sich ein, zwei, drei Weinberli, die ihm Mama auf die Fussmatte gelegt hat. Er öffnet den Schnabel, so wie ihn Schorschi immer geöffnet hat, als Zeichen, dass er ihn gern mit leckeren Weinberli füllen würde. Seht mal, ihr Menschen, wie leer er ist. Dann hüpft er auf die Mauer, checkt die Lage, und fliegt davon.
Zur Sicherheit lassen wir den Rest der Weinberli draußen liegen, vielleicht kommt er ja bald wieder.
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Frohe Weihnachten euch allen, vielen Dank fürs Lesen und Liken und Kommentieren dieses Jahr! Fürs nächste wünsch ich euch Gesundheit, viel Freude, inspirierende Lese- und Schreibstunden & alles, was ihr euch wünscht, soll in Erfüllung gehen ✨❄️

Die zwei Wichtel hab ich heut selbst gebastelt 🥳
Nach der Vorlage: