Bewusster Abschied

Ein letzter Kuss. Vertraute Lippen. 
Ein letztes Mal die Hand der geliebten Frau halten,
ein letztes Mal an ihrem Hals, ihren Haaren riechen.
Sie ein letztes Mal umarmen.
Ihr ein letztes Mal in die Augen sehen.
„Schau mich nicht an, sonst muss ich weinen“, sagt er.

Ein erstes Mal Gefühle zeigen.
Ein erstes Mal vor Herzschmerz fast sterben.
Vor Sehnsucht nach ihr.
Vor Sie-jetzt-schon-vermissen.
Sie ein letztes Mal nach Hause bringen.
Ihr die Decke mitgeben, unter der ihr euch immer aneinander gekuschelt habt.

Ein letztes Mal gute Nacht sagen, ein letztes Mal aus der Wohnung gehen.
Ihm den Schlüssel geben.
Die Tür hinter mir schließen.
Die vielen Erinnerungen hinter mir lassen.
Gemischte Gefühle.
Kurz denken: Mache ich doch einen Fehler?
Wir lieben uns doch offensichtlich noch?
Dann denken: Nein, ist schon richtig so,
denk' an die vielen Male, die zu viel waren.
Und diejenigen, die viel zu wenig waren.

Jetzt nur nicht sentimental werden.

(Innerer) Frieden ist oberstes Ziel, und den hattet ihr nie.
Fast nie.
Nur heute vielleicht.
Wenn der Krieg schon verloren ist, wozu noch kämpfen?
Am Ende, wenn alles andere wegfällt,
bleibt nur die Liebe übrig,
und ist das nicht der schönste Abschied?

[Halle, 18.12.2023]

Bonifaz

Mein ganzes halbes Leben warst Du uns der beste Mops, den wir uns wünschen konnten. Du warst immer mehr als ein Hund, Du warst Schweinchen, Alien, Robbe, Weißbrot, Weißwurscht, Frosch — unser Puggi eben. Du warst das gutmütigste, geduldigste, gemütlichste Lebewesen, das ich je kennenlernen durfte, und ganz im Gegenteil zur ersten elterlichen Befürchtung, Du würdest uns irgendwann langweilig werden, warst Du es nicht einen Augenblick. Immer hast Du für lustige Momente gesorgt, allein Deine Existenz, Dein Wesen, Dein Aussehen hat unser Leben freudvoller, schöner gemacht. Du warst der beste Freund und immer da, wenn ich mal Aufheiterung, ein wenig Liebe, ein paar Streicheleinheiten brauchte. Auf allen Partys in unserem Haus warst Du vertreten, immer dort, wo die meisten Menschen sich versammelten — ohne Mops ist eben nix los.

Wie schnell Kummer vergessen werden kann, wenn man nur ein paar Minuten ein so ruhiges, freundliches Tier wie Dich streichelt. So schön, nachhause zu kommen, und jemand freut sich über Dich mit dem ganzen Körper, von Kopf bis Ringelschwänzchen wackelnd und tanzend. Deine Falten, tief eingegraben in ihnen das Wissen der Welt, wie sonst hättest Du so ruhig, so gutmütig sein können? Allen Lebewesen der Welt von Grund auf aufgeschlossen gegenüber konntest du Dich höchstens über unsichtbare Gespenster, Krankenwagensirenen oder den Nachbarhund aufregen.

Unser Bonifaz, der einzige und wahre Mops, vierzehneinhalb Jahre unser Familienmitglied, für immer in unseren Herzen. Mögest Du im Mopshimmel in einem riesigen Mopsgewimmel Dich tummeln, schwarze, weiße, beige, graue, große und kleine Möpse, ein Riesengewusel, wo Dich keine Atemnot, keine Rückenschmerzen, keine Fußbeschwerden plagen, wo Du allein Deinem Mopsdasein frönen und nach Lust und Laune so viel essen, trinken, schlafen kannst, wie Du für immer möchtest.

In Liebe und Dankbarkeit
Deine Lena