„Liebe ist die…

… einzige Revolution“ – Krishnamurti.

Wenn wir allem Lebenden mit Liebe begegnen, ändert das alles.

Wir gehen liebevoll mit uns und also auch mit anderen um, wir lieben die Natur und alle kleinen und großen Lebewesen darin, wir töten sie nicht mehr für unseren Profit.

Wir lieben unsere Erde, auf der wir leben dürfen und die voller Wunder ist, wir verschmutzen ihre Luft, ihren Boden und ihr Wasser nicht mehr.

Wir führen keine Kriege mehr, weil niemand Hass auf den Anderen empfindet und niemand aus Gier anderer Länder Gut besitzen will.

Wir teilen alles, weil wir genug für alle haben, und niemandem soll es schlechter oder besser gehen.

Wir machen niemanden kleiner, damit wir uns größer fühlen, weil wir den Vergleich nicht kennen und wir alle gleichwertig sind. Kein Geschlecht ist besser als das andere, keine Hautfarbe hat vor der anderen Vorrang, institutionalisierte und ideologisierte Religionen gibt es nicht mehr, höchstens nur das Leben nach den Worten und Werten der Personen, die diese angestoßen haben. Die religiösen Institutionen instrumentalisierten deren Worte, um die Menschen beherrschen und lenken zu können.

Die eigentliche Botschaft war und ist die Liebe, sie ist die einzige Revolution und verbietet jegliche Institutionalisierung und Ideologisierung, die ihr entgegensteht.

[Essenbach, 26.12.22]

Wie vom berüchtigten Erdboden

Eines Tages verschwand ich einfach. Ich war da, und dann nicht mehr. Da ich meine eigene Abwesenheit sah, musste ich noch irgendwo sein, in einer Parallelwelt, träumend auf die andere Seite blickend und beobachtend. Aber ich war verschwunden, mir nichts, dir nichts, so als wär‘ ich nie da gewesen. Oder?

Es war eine Frage, die ich mir oft gestellt hatte. Eher eine Vermutung, getränkt in der Hoffnung, Gründe dagegen zu finden. Wenn ich morgen nicht mehr da bin, würde es einen Unterschied machen? Würde mich jemand vermissen? Braucht mich doch eh keiner. Das Leben schien mir oft zu schwer und zu lang zu sein. Was war der Sinn dahinter?

Nun war ich also verschwunden und sehr gespannt auf die Folgen. Wenn es denn welche gab.

Einen halben Tag lang bemerkte niemand meine Abwesenheit von dieser Welt. Konnte ja sein, dass ich vertieft in Arbeit in meinem Zimmer saß. Konnte ja sein, dass ich gerade Abstand zur Außenwelt brauchte und deshalb nicht ans Telefon ging.

Am späten Nachmittag jedoch begannen sich einige zu wundern. Meine Mitbewohner klopften an die Tür, fragten, ob alles okay ist. Mein Freund Ferhat rief immer wieder an, er wusste, würde ich so rein gar nicht mit ihm kommunizieren, musste etwas passiert sein und mir ging es überhaupt nicht gut. Der hatte da ein Gespür dafür, wie er mir sowieso immer alle Gemütszustände von den Augen ablas.

Abends dann kamen meine Mitbewohner in der Küche zusammen, wie so oft in den letzten Wochen, und fragten sich, wo ich wohl sei. Schließlich war mein Schlüssel da, und mein Telefon hörten sie ständig klingeln. Auch Ferhat kam vorbei, ihm ließ das keine Ruhe. Doch sie fanden mich nicht auf, weder in meinem Zimmer noch im Bad, weder im Keller noch in der Küche.

Mein Laptop stand aufgeklappt auf meinem Schreibtisch, daneben lag das Handy, als hätte ich gerade noch gearbeitet. Ein Dokument war geöffnet, darin hatte ich noch geschrieben heute morgen. Und eine Webseite spielte ein Lied nach dem anderen ab, was der Algorithmus eben so vorgab. Auf einem Notizzettel hatte ich angefangen, etwas zu schreiben, der Stift lag in einer Position daneben, als würde er gerade benutzt — nur dass die Hand dazu fehlte. Auf dem Zettel stand: „Kurzgeschichte Ged.ex: was wäre, wenn ic“. An dieser Stelle endete der Satz. Meine Mitbewohner und mein Freund schauten sich an. Etwas schauderte sie an dieser Sache. Wo war ich nur hin?

(Fortsetzung folgt)