Most people

… not only feel comfortable with their ignorance, but they are hostile to anyone who points it out.

Alan Watts

Ich lass das mal so stehen. Könnte viel dazu sagen und hab auch schon viel dazu geschrieben, aber will das (noch) nicht veröffentlichen.

Vielleicht nur so viel: Die Ignoranz einer bestimmten Blase, zu der ich mich noch vor kurzem gezählt habe (oder eher zählen wollte?), und ihre Heuchelei ist immer schwerer zu ertragen. 

Bin ein wenig vom Glauben abgefallen in den letzten Monaten, aber dadurch auch wieder ein Stückchen freier in meinem Denken geworden. Und wie ich ja schon mal so schön geschrieben hab: Ent-Täuschung ist, wenn die Illusion verfliegt.

Ich bin die Letzte, die stur oder aus Angst an Denkmustern festhält. Mich davon zu befreien – darum gehts mir.

Steinmetz

Sei du selbst.

Das sagt sich so einfach, wenn ich doch all die Jahre, in denen ich mein Ich formte, vergessen habe, wer ich eigentlich bin.

Hallo, liebes Selbst, was hättest du denn gerne? Wer bist denn du eigentlich, sag mal, erzähl mal was von dir.

Ein grober, unbearbeiteter Stein, darin ein diamantener Kern. Schicht für Schicht entfernen wir, die Hammerschläge schmerzen. Doch wenn das Stück Stein abfällt: Erleichterung, Leichtigkeit.

Ohne Schmerzen kein Wachstum.

Durch all die Gesteinsschichten, die sich über die Jahre ablagerten, sahst du dein Innerstes nicht mehr, den reinen Diamanten, als der du geboren warst. Du sahst dich als Stein. Wer bin ich? Ein Stein. Grob und grau, einer unter vielen. Wenn alle gleich sind, lassen sie sich auch ver-gleichen.

Behutsam setze den Meißel an, lerne, was Dich umgibt, entferne radikal. Die Schichten dienten Dir als Schutz, doch nun wiegen sie zu schwer, um weiter zu gehen. Wenn Du Dich nicht von ihnen trennst, bleibst Du irgendwann liegen, stehst nicht mehr auf. Statt an Dein eigenes Ziel zu gelangen, hilfst du Anderen, ihr Ziel zu erreichen, sie treten auf Dich, benutzen Dich, Du wirst Teil des Wegs, unsichtbar und unbedeutend. Doch Du kannst es ihnen nicht vorwerfen, es lag in Deiner eigenen Hand.

Nur wenige – und das sind die, die Du festhalten solltest – erkennen den in Dir enthaltenen Schatz, sie heben Dich auf und tragen Dich ein Stück ihres Weges.

Bis Du Dich auch endlich selbst erkennst.

[Halle,14.3.21]

Gefangen im Kopf

Ich liege auf der Wiese, über mir grüne Blätter im Wind, in meinem Gesicht Sonne.
Nichtsahnend. Entspannung versuchend.
Plötzlich: Ich, in meinem Kopf gefangen. Ich, von innen anklopfend, schreiend. Lasst mich hier raus!

Gefangen in meinem Kopf, die Gedanken kreisen wild, stürmen wirbel,
saugen mich ein.
Jetzt sitze ich fest.
Was tat ich zuvor, was danach, wie geht normal leben?
Mein Kopf ein Stein, Betonklotz.
Ich will weinen, aber kann nicht.
Alles erscheint so schwer, unmöglich, gegen mich.
Oh, wie langweilig es hier doch ist, immer die selben angsterfüllten Gedanken. Enge, engst.
Ich klopfe, schlage von innen gegen meine Schädeldecke.
Lass mich hier raus!
Gerade eben noch war alles so leicht, wann ist das aus, wieso kann ich nicht einfach mal sein…

Entspannung misslungen. Wie ausbrechen?
Bewegung, ich fahre mit dem Fahrrad in Richtung eines in meinem Herzen wohnenden Menschen.
Begegnung, Kinderlachen, im Moment sein. Alles halb so wild.
Kannst jetzt wieder raus, Lena, war ein Missverständnis und nur aus Sicherheitsgründen.

Na, vielen Dank dafür, Quarantäne.

(Halle, 13.07.22)

Schnüre und Scheren

Endlich bin ich aufgewacht. Was für ein Traum.

Mir träumte, ich sei in einem Ich gefangen, das sich ständig im Kreis dreht, Opfer seiner eigenen Gedanken.

Es waren dies keine von der netten Art. Sie flüsterten wie gemeine Mitschüler — ja, lasst euch sagen: Wer flüstert, der lügt und frisst kleine Kinder, wahre Geschichte!

Sie hatten mich an ihren Schnüren, und sie zogen mal hier, mal dort, ich bewegte mich nach ihrem Gusto. Sie ließen mich Mauern bauen und Fluchtwege, und es machte ihnen Spaß, mir beim Fallen zuzuschauen.

Nun bin ich niemand, die hinfällt und liegen bleibt. Immer wieder stehe ich auf, bleibe kurz stehen, bis der Schwindel nachlässt, und gehe dann weiter. Da muss noch was kommen, sage ich dann, weil es mir vorher mein Herz versprach. Das weiß sowieso schon alles früher, nur verrät es das nicht, wäre ja langweilig. Oder vorhersehbar. Ha.

Dieser Traum also. Ich drehte mich im Kreis, meine Gliedmaßen an Schnüre gebunden, und es gab keinen Ausweg.

Doch da entdeckte ich eine Schere, eine Gestalt bot sie mir an. Sie war von jener Art von Traumgestalten, die plötzlich auftauchen, ohne Gesicht, nur verschwommen erkennbar und so schnell wieder verschwunden, dass sie auch aus der Erinnerung leicht entfleuchen.

Mit den ersten durchtrennten Fasern lösten sich die Fäden ganz leicht, als hätten sie nur darauf gewartet, auch von mir erlöst zu werden. Der Aufprall auf den Boden war hart. So hart, dass ich aufwachte.

Wer bin ich ohne diese Schnüre? Die mich gefangen hielten und gleichzeitig Sicherheit boten. Dank denen ich wusste, wohin ich zu gehen hatte, was ich tun sollte. Jetzt bin ich frei. Und nun?

[Halle, 14.09.2020]

Schöne, wilde Blume

Schöne, wilde Blume, warum reisst du sie aus?

Weisst du nicht, wenn du sie mitnimmst, ist das der Anfang vom Ende? Du willst sie besitzen, nimmst dir, was du brauchst, allein etwas zu töten kann nie ein Zeichen von Liebe sein?

Sie sind so bunt, riechen gut, vollenden den Raum? Das ist alles äußerlich und dient allein deinen Zwecken.

Diese Blume aber kann niemandem gehören, ihre Natur ist wild, frei, und wer sie an sich nimmt, raubt ihren Geist, hält sie künstlich am Leben.

Warum wohl geht sie nach kurzer Zeit ein, warum überlebt sie nicht trotz des Düngers, des besonderen Wassers, des schönen Platzes am Fenster?

Das Schöne verwelkt, wenn Du es besitzen und einsperren willst. Empfindest du wahre Liebe, lass los, erfreu Dich ihrer Natur und also ihrer Freiheit.

[Halle, 23.4.23]

„Liebe ist die…

… einzige Revolution“ – Krishnamurti.

Wenn wir allem Lebenden mit Liebe begegnen, ändert das alles.

Wir gehen liebevoll mit uns und also auch mit anderen um, wir lieben die Natur und alle kleinen und großen Lebewesen darin, wir töten sie nicht mehr für unseren Profit.

Wir lieben unsere Erde, auf der wir leben dürfen und die voller Wunder ist, wir verschmutzen ihre Luft, ihren Boden und ihr Wasser nicht mehr.

Wir führen keine Kriege mehr, weil niemand Hass auf den Anderen empfindet und niemand aus Gier anderer Länder Gut besitzen will.

Wir teilen alles, weil wir genug für alle haben, und niemandem soll es schlechter oder besser gehen.

Wir machen niemanden kleiner, damit wir uns größer fühlen, weil wir den Vergleich nicht kennen und wir alle gleichwertig sind. Kein Geschlecht ist besser als das andere, keine Hautfarbe hat vor der anderen Vorrang, institutionalisierte und ideologisierte Religionen gibt es nicht mehr, höchstens nur das Leben nach den Worten und Werten der Personen, die diese angestoßen haben. Die religiösen Institutionen instrumentalisierten deren Worte, um die Menschen beherrschen und lenken zu können.

Die eigentliche Botschaft war und ist die Liebe, sie ist die einzige Revolution und verbietet jegliche Institutionalisierung und Ideologisierung, die ihr entgegensteht.

[Essenbach, 26.12.22]