Mein erster Roman „Die Unterirdischen Seen“

Eine junge Frau, die verloren war und jetzt das sucht, wonach sie sich in den Tiefen ihres Herzens sehnt, eine Stadt, über die der Nebel herrscht, ein Geheimnis, das jeden verändert.

Was hat es mit dem Verschwundenen Wasser, mit den Unterirdischen Seen, mit den Tribunen auf sich? Warum kennt niemand den Weg und was ist bloß mit den Einwohnern dieser seltsamen Stadt los? Was geschieht mit denjenigen, die den Weg zu den Unterirdischen Seen allen Hindernissen zum Trotz finden? Wie etwas erzählen, wie sich erinnern, wenn alle schweigen? Und wo bleibt der Hoffnungsschimmer? 

Mein Debütroman verspricht: 

  • Sogwirkung
  • Starke Frauenfiguren 
  • Einen sprechenden, rauchenden Braunbären, der Begründer einer Widerstandsbewegung ist
  • Dramatische, allwissende Omas
  • Einen alten weißen Mann (aber nur einen!) 
  • Spannung, Tiefgründigkeit, Überraschungen, Philosophisch-Poetisches, Surreales, Dystopie, Utopie, Märchenhaftes

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Der Nebel

Bisweilen ist der Nebel greifbar, und wer in den oberen Stockwerken wohnt, hat das Gefühl, über den Wolken zu schweben. An diesen Tagen fühlen sich die Bewohner der Stadt wie benommen, als hätte sich der Nebel auch in ihrem Kopf breitgemacht. Dann ist die Stadt mit Untoten gefüllt, niemand achtet auf den anderen, alles egal, wichtig nur ist es, den Tag hinter sich zu bringen, morgen wird besser, ganz bestimmt. Wenn zwei Passanten im dichten Nebel aneinanderstoßen, erwachen sie kurz, erschrocken, entschuldigen sich hektisch und hasten schnell weiter, ein wenig gebeugter als zuvor. Der Nebel zerfrisst jede Lebensfreude, er verschluckt die Farben der Natur, saugt alles Schöne in sich auf. Er ist allgegenwärtig, im Innen und Außen der Menschen.

Und trotzdem: So sehr er sie auch bedrückt, so schwer er auf der Stadt liegt, geben sie nie ihm die Schuld. Der Nebel umarmt die Bewohner wie eine weiche, warme Decke, sie fühlen sich geborgen, zuhause, geliebt. Jeden Abend gehen sie betäubt, aber zufrieden ins Bett. Sie haben schon wieder vergessen, wie anstrengend und lang dieser Tag war, und sie sind auf’s Neue überzeugt davon, in der schönsten Stadt der Welt zu wohnen.

Wollen sie diese in seltenen Fällen verlassen, so sind sie schon nach einem Tag in der Fremde zittrig, unsicher und voller Sehnsucht nach „ihrer“ Stadt. Sie können nur schlecht schlafen, wenn sie nicht jeden Tag wenigstens ein wenig vom Nebel einatmen, der zu ihrem Zuhause gehört wie die vielen Schlote, das fehlende Wasser, die Hektik auf den Straßen.

Wir wissen nicht, ob sie die Stadt jemals wirklich verlassen. Ob das überhaupt möglich ist. Manche erzählen, dass sie einmal woanders waren, und doch sind sie immer wieder schnell zurück, als hätte der Nebel sie gerufen, oder als wäre es unmöglich, ohne diesen zu leben. Sie kehren zurück und haben vergessen, was sie dort draußen wollten, haben vergessen, wo sie waren.

Vielleicht umgibt die Stadt ein unsichtbares Gewebe, das den Menschen vorgaukelt, an anderen Orten zu sein, ein anderes Leben zu leben, bis sie schließlich umkehren, umnachtet, mit Bildern und Geschichten im Kopf, als wären sie nun ein anderer und besäßen neue Augen. Und manche gehen zum Sterben dort hinein, sie lösen sich auf in den sanften Stimmen, in den bunten Bildern, in den Wünschen und Träumen, und umschweben fortan unsere Stadt, gefangen im ewigen, aus uns selbst bestehenden Gewebe.

[Regensburg, 16.04.24]


Der Nebel spielt eine wichtige Rolle in „Die Unterirdischen Seen“, er trägt zur unheimlichen Atmosphäre der Stadt bei, verbirgt die Machenschaften des H. und malt die Erinnerungen der Protagonistin neu.