Die Traum-Macherin

Irgendwer, vielleicht sogar ich, war der, der die Träume macht. Aus verschiedensten Szenarien und Bildern und Gerüchen und Düften baute ich einen Traum. Viele Träume für viele Menschen. Und doch war da nur dieser eine, der sich mir ins Gedächtnis einbrannte. Er mit ihr, wunderschön anzusehen und gar lieblich als Paar, spazieren durch die Menge. Auf der Party, auf der er eigentlich nicht sein hätte dürfen. Vor allem nicht mit ihr, war sie nicht verreist? Die kaputten Teile meines Herzens entfernen sich noch weiter voneinander – bah, Kitsch, fühlt sich aber so an, sorry – und gleichzeitig weiß ich, dass ich diejenige bin, die diesen Traum, diese Szene erst gemacht hat. Anscheinend will ich mich leiden sehen. Maso maso. Also bin ich aufgewacht. Mach mir jetzt meinen eigenen Traum in der echten Welt. Irgendwie.

(Halle, 26.11.2016, zuerst auf Tumblr [lenkasletztertraum] veröffentlicht)

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In nächster Zeit zeige ich euch hier ein paar meiner skurrilen Träume, ältere Texte, die ich damals auf Tumblr gestellt habe. Für neue Texte fehlt mir gerade wegen gesundheitlicher Probleme und eines größeren Schreibprojekts (🥳) Zeit und v.a. (kreative) Energie 🙂

Manchmal, da

Manchmal, da
fühl' ich mich so 
verloren 
zerbrechlich 
zu sehr 

für diese steinharte Welt, 
für ein System, 
in dem ich - 
will ich sein, 
wer ich bin - 
kaum leben kann. 

Manchmal, da
frag ich mich, 
was ich hier eigentlich mache, 
wozu das alles. 

Hast Du Angst? 
Nein. 
Jeden Moment könnt ich gehen 
und bereute doch nichts:

So sehr geliebt, 
alles gefühlt, 
getanzt, gelacht, gestaunt. 
Ist das nicht Ziel genug? 

abgrundtief

Deine Freundin ist in den Abgrund gefallen, und ich bin nicht traurig.

Da ist dieser tiefe Schlund inmitten unseres Hauses, und niemand weiß, woher dieser kommt. Wer einen Stein hineinwirft, hört keinen Aufprall.

Und jetzt ist deine Freundin hineingefallen und das versetzt mein Herz in Aufregung. Was ist nur falsch mit dir? Einen deiner Freunde hast du mitgebracht. Ihr trauert.

Ich blicke in das Loch im Boden solange, bis eine Stimme in mir warnt: Und der Abgrund schaut zurück. Mein innerer Friedrich ist immer für mich da. Die gierigen Blicke des Schlunds ziehen mich aus, verschlingen und verdauen mich, ich drohe nachzugeben und mich fallen zu lassen.

Nur mit ihr aber, Hand in Hand, würde ich hineinspringen und mich ganz dem hingeben, was da kommen mag.

Was hält mich noch ab?