Mein Kern allein ist unveränderlich.
Die Frage bleibt, ob wir uns auch aller unserer Identitäten entledigen können, für die ich einmal die Metapher der Klamotten benutzt habe.
Wir kleiden uns in unterschiedliche Kleidungsstücke, um uns zu schützen, zu wärmen, zu verstecken, dazuzugehören. Den meisten Menschen ist gar nicht mehr bewusst, dass sie tausende Schichten tragen, ihr Innerstes ist nicht mehr sicht- und spürbar.
Würden wir uns Schicht um Schicht entledigen, uns entblößen, wäre das wohl für die meisten Menschen (oder alle?) unerträglich, sich gar in ihrer baren Nacktheit zu sehen.
Manche der Kleidungsschichten liegen uns so starr an, sie sind mit uns verwachsen, dass wir uns ohne sie nicht mehr denken können, ja sogar unser Denken darüber ausrichten.
Würden wir uns alle ohne Klamotten denken, also sagen wir mal, wir stellten uns alle gegenseitig nackt vor, so sähen wir uns in unserer Zerbrechlichkeit, unserer wahren Natur. Würden sich die Menschen selbst dann noch gegenseitig verurteilen, ab- und aufwerten? Wenn wir das wahre Gesicht, die wahre Gestalt des anderen sähen, würden wir dann anders mit ihm umgehen? Wie würden wir uns verhalten bar jeglichen Schutzes?
Fakt ist, wir brauchen Kleidung, denn ohne sie wird uns kalt, und es ist in unserer Welt nun mal Konvention, mindestens ein Stück Stoff über unseren intimsten Körperzonen zu tragen. (Was ist mit FKK-Bereichen?)
Wir brauchen die anderen in Identitäten gehüllt, um auch uns besser einordnen, sich gegenüber anderen abgrenzen oder zugehörig fühlen zu können.
Vermeintlich hatte ich mich schon jeglicher Kleidung entledigt. Immer wieder aber entdecke ich ein Stück Stoff an mir, das bestimmte Stellen verdeckt, sie beschützt oder versteckt und mich vom Nacktsein abhält.
Nacktsein kann ich nur mit Dir.
Du siehst mich ganz,
auch ganz verhüllt,
vor Dir trau‘ ich mich zu entkleiden,
ohne alles steh‘ ich da.
Du nimmst mich,
wie ich bin.
Allein Dir blick‘ ich in die Augen,
dem Zugang zum Wesen unter
all den Hüllen.
Der Text gefällt mir sehr gut! Über die erste Zeile könnte man allerdings streiten. Wird unser Kern nicht ständig beeinflusst von dem, was durch die Schichten in uns eindringt und Dort ist Spuren hinterlässt?
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Danke Dir 🙏
leider viel zu häufig
Mit Kern meine ich die Seele, unser ursprüngliches Wesen, das unveränderlich ist.. alle anderen Schichten entstehen aus Angst und beeinflussen dann natürlich unser Handeln und Denken, da hast Du recht.. aber unser „Kern“ kann nie Angst empfinden und deswegen auch nicht beeinflusst werden. Obwohl – es gibt durchaus verkümmerte Seelen, die so gar kein Futter bekommen
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Okay, unter der Prämisse hast du recht. Wobei ich persönlich nicht glaube, dass es so einen Kern in uns gibt.
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An was hast Du dann bei „Kern“ gedacht?:)
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Das Unterbewusstsein, das meine Handlungen bestimmt, und auf dem das „ich“ schwimmt wie eine Flaschenpost im Meer und glaubt, einen freien Willen zu besitzen – das ist mein „Kern“ 🙂
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Mein ich
will wollen
doch auf
der Hohen See
im Drama
der Seele
bin ich der
Innenwelt
nicht der Schöpfer
mit der Nabelschnur
an die Welt
in Verstrickungen
der Seele – Leibeinheit
gefangen und gebunden
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Wunderbar! Das trifft genau den Kern!
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Du bist mir wunderbar
auch wenn ich Dich
nicht kenne
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❣
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🙂
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Nackt bin ich
unter meiner Kleidung
auch ohne Dich
ganz entkleidet
bin ich
wenn Dein Auge
mich im Innersten trifft
Du nimmst von mir
in mir Besitz
auch ohne dass
mich Deine Haut berührt
in meinen Träumen
in den Erinnerungen
gehst Du türlos
in mir ein und aus
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