Heute machte ich mir Gedanken über den nächsten „Brief aus der Zukunft“ zum Thema „Brot und Spiele“. Dann bin ich abgeschweift.
Viele, (noch) die meisten in diesem Land, sind wohlstandsgesättigt. Die Menschen sind „satt“, was geht sie die Politik an? Satte Menschen gehen nicht auf die Straße. Alles soll so bleiben, wie es ist, weil so geht es uns doch gut. Veränderungen wegen drängender globaler Probleme? Mühsam, bedrohlich, existenzgefährdend. Und vor allem: Wenn es nicht so bleiben kann, wie es ist, kann es ja nur schlechter werden, und wer will das schon. Im Moment ist doch alles gut, so wie es ist. Ja, vielleicht nicht für alle Menschen auf der Welt, aber das war es noch nie, und man kann sich auch nicht um jeden kümmern. Wenigstens geht es uns selbst gerade gut, das war lange nicht so. Nach uns die Sintflut. Können eigentlich nur Menschen ohne Kinder sagen, oder deren Kinder schon auf trockenen Ufern wandeln.
Die andere Seite: Wenn es den Menschen nicht gut geht, sie nicht „satt“ sind, dann gehen sie auf die Straße oder setzen sich an den PC und finden dort Gleichgesinnte. Wenn sie nämlich sehen – oder zumindest das Gefühl haben (Angst liegt diesem zugrunde, und diese wird zum großen Teil über die Medien transportiert und gesteigert), „die da oben“, diese Elite auf blauen Stühlen, kümmern sich nicht genug um jene, die wenig bis nichts haben, ja, sie verabscheuen sie gar, dann wählen sie diejenigen, die ihre Ängste bedienen und ihnen, beruhigend auf den Rücken klopfend, versprechen: Das wird schon wieder, so wie „früher“ oder besser, wir kümmern uns darum, keine Sorge, wir allein wissen ja, was zu tun ist. Wir gut, die schlecht.
Und sobald die so dringend benötigten Grenzen abgesteckt sind, kehrt keine Ruhe ein, nein, denn diese Parteien ernähren sich von deren Gegenteil. Sie produzieren Angst, sie ernähren sich davon, während echte Lösungen und sozialer Frieden ihren Tod bedeuteten. Sie brauchen diese hungernden Menschen, die sich bitte niemals satt essen dürfen, sowohl für ihre eigene Macht also auch für ihren Reichtum. Wer, wenn nicht sie, erledigte sonst die Drecksarbeit? Wer ließe sich sonst ausbeuten?
Das führt mich zu der Frage, ob rundum satte Menschen überhaupt gewollt sind. Ein Teil, nämlich der, der Macht hätte, Dinge zu verändern, soll satt und zufrieden auf dem Sofa sitzen bleiben. Der andere soll hungrig bleiben, hungrig nach mehr, oder zumindest nach dem Zustand dieses anderen, satten Teils der Bevölkerung. Nach Statussymbolen, deren letzterer oft schon überdrüssig geworden ist. Minimalismus muss man sich leisten können. Dann werden sie alles dafür tun, und genau dort wollen sie sie haben.
Schwieriger Balanceakt.
Danke Lena, wieder mal sehr gut in Worte gekleidet, was gerade passiert.
LG Tina
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Danke 🙏
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