Die Reise geht weiter

Jetzt muss ich Abschied nehmen, meine Reise geht weiter.

Ich bin nicht traurig, ich freue mich sogar. Zu lange habe ich stillgestanden, abgewartet, mich geduldet.

Endlich hat mir mein Herz den nächsten Wegpunkt verraten.

Komme ich diesmal an? Gibt es überhaupt dieses sogenannte „Ankommen“, wenn der Weg doch so lange weitergeht, bis er endet?

Ich freue mich auf alles, was da noch kommt, endlich wieder Neues sehen, hören, spüren.

Die letzten Jahre waren nicht leicht, aber jetzt wird es anders, jetzt bin ich anders. Das weiß ich.

Vieles weiß ich nicht, manches schon.

Was ich denn will vom Leben, habe ich mich neulich gefragt. Zerrissen zwischen gesellschaftlichen, sich mir aufgrund meiner Natur aufdrängenden Erwartungen, den typischen Themen in meinem Alter, den Forderungen meiner Natur selbst, und meinen eigenen Wünschen. Manchmal bin ich so verwirrt, auch bitter, wütend, traurig, hilflos. Was will ich wirklich, und was kommt von außen?

In einem Zwiegespräch suchte ich nach einer Lösung, aber es gibt keine. Nur eine: Vertrauen, und Liebe. Und so handeln, wie ich es mir von anderen wünsche, und wie ich mir eine Gesellschaft erträume. Das tun, das sich richtig für mich anfühlt. Nicht nur für mich leben.

Das ist mir tatsächlich wichtig, was auch immer kommen sollte: nicht nur für mich leben, oder für meinen Partner, für meine Kinder. Diese Gebilde, die sich am Ende nur noch um sich selbst drehen, die sind mir ein Graus.

Nie habe ich mir vorgestellt, mal zu heiraten oder Kinder zu bekommen. Das war nie mein Wunsch. Und jetzt machen genau das alle um mich herum, und irgendwie langweilt mich das.

Und was will ich jetzt?

Als Kind habe ich in ein Freundschaftsalbum auf die Frage, was ich später mal werden will, geschrieben: Schriftstellerin (und „Malerin“, aber das können wir getrost vergessen). Heute weiß ich nicht, ob ich das schon bin, ob ich erst noch ein „richtiges“ Buch veröffentlichen muss, und ob das überhaupt möglich ist für mich. Die Zweifel kommen nicht von ungefähr, ich habe kein Vorbild, keine Mentorin, stamme aus keiner Familie, in der Künstlerin oder Schriftstellerin jemals eine in Frage kommende Berufswahl gewesen wäre. Vor allem für eine Frau. Aber was soll ich machen, alles, worauf ich immer wieder zurückkomme, ist das Schreiben. Ohne ginge es nicht.

Und schon bin ich wieder zu sehr in meinem Kopf, und die Gedankenwalze zermalmt meine Nerven. Also steige ich aus. Komme zurück zu diesen Sätzen:

Aus dem Sein folgt kein Sollen. Hab Vertrauen, es kommt, wie es kommt (oder, wie es meine Oma immer gesagt hat: Es kimmd, wias kimmd). Es gibt kein Wollen mehr, wenn der Geist ruht. Kehre in dich, werde ganz still, und bemerke deine Freude. Dein Herz hüpft, denn alles ist da, du brauchst nichts.

Und bevor der andere Teil in mir wieder anfängt und schreit, das sei doch nur Gelaber (den Rest lasse ich mal lieber weg), beende ich dieses Zwiegespräch und lege auf.

Gute Nacht.

[Halle, 09.12.2023]

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lenkasause

Die Worte flossen aus meinen Fingern, ich verstehe sie erst jetzt...

7 Kommentare zu „Die Reise geht weiter“

  1. Ich lese Dich ja schon ein kleines Weilchen, liebe Lenka, und oft habe ich Dir dann bedeutet, mich in Deinen Gedanken und Texten wiedergefunden zu haben. So war es auch heute wieder.

    Allerdings war ich heute auch besonders hin- und hergerissen, so wie ich es so oft auch in meinem täglichen Leben bin.

    Deine Essenz freilich: „In einem Zwiegespräch suchte ich nach einer Lösung, aber es gibt keine. Nur eine: Vertrauen, und Liebe. Und so handeln, wie ich es mir von anderen wünsche, und wie ich mir eine Gesellschaft erträume.“ – die ist meinem Sinn sehr, sehr nah, einem Sinn, den ich nie aufgegeben habe und nie aufgeben werde, wenngleich mir das Träumen immer schwerer fällt, ja, mir manches Mal inzwischen abhandenkommt.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Dir das nie passiert, dass mir das geschehen ist, hat vielfältige Ursachen, meine Dämonen spielen da eine gewichtige Rolle, aber nicht die einzige.

    Ich freue mich sehr, dass Dein Sinn dem meinen so nahe ist. Das schenkt mir ein bisschen Licht, ein bisschen Zuversicht. Etwas Schöneres kann man mir kaum schenken, ich danke Dir also sehr.

    Ganz liebe Grüße an Dich! ✨💚

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    1. Lieber sternflüsterer, schön, mal wieder von Dir zu hören! Und vielen, lieben Dank für Deinen Kommentar, über Deine Zeilen freue ich mich jedes Mal 🙏
      Was kann ich mir Schöneres wünschen, als mit meinen Worten Menschen zum Träumen zu bringen, ihnen Hoffnung, Licht und Zuversicht zu geben??! Genau so soll es sein 🤗

      Liebe Grüße auch an Dich ☀️☀️☀️

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