Aber wann knackt die Schale

Aber wann knackt die Schale

Da ist ein weicher Kern
den hab ich gesehen
ich hab Dich gesehen von Anfang an
aber ich kann nicht mehr ständig
anklopfen und warten
bis Du aufmachst
Dich öffnest
mir entgegen
ich brauch Dich und Du siehst nicht
wie sehr
wie oft ich gegen Deine Mauern laufe
Deine Wand aus Beton
in all den Jahren erbaut
es ist ein kaltes Land, zieh
dicke Mauern hoch
Hass, Neid, Bürokratie müssen draußen bleiben
aber auch diejenigen, die dir Gutes
die Dir helfen wollen
sie erfrieren vor Deinen hohen Wänden aus Stahl
beschützend Dein großes, weiches
weinendes Herz.

[Halle, 4.12.23]

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lenkasause

Die Worte flossen aus meinen Fingern, ich verstehe sie erst jetzt...

4 Kommentare zu „Aber wann knackt die Schale“

  1. Starke und berührende Verse! –

    Ich glaube erspüren zu können, dass hinter den Mauern eine große Sehnsucht wohnt. Und paradox, doch zugleich logisch: Je größer die Sehnsucht wird, desto höher die Mauer.

    Verletzte und verletzbare Seelen nehmen sich so manches Mal gefangen. Sie möchten, aber sie können nicht anders.

    *

    Deine Texte rühren so oft etwas in meinen Tiefen an, liebe Lenka. Ich kann es gar nicht so richtig begründen, aber ich bin Dir immer wieder dankbar dafür.

    Von Herzen liebe Grüße (ich hoffe sehr, dass es Dir immer noch und wieder stetig besser geht.) ✨🍀💚

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    1. Danke dir wie immer für diesen tollen Kommentar, lieber sternflüsterer 🙏🙏🙏
      Ich weiß, dahinter wohnt eine Sehnsucht, und das Herz ist riesengroß. Nur wenn die Mauern nie abgebaut oder mit einer Tür versehen werden, ist das sehr anstrengend, da ständig dagegenzulaufen :/ Irgendwann konnte ich nicht mehr, bin zuerst kaputt davor liegen geblieben und dann gegangen, auch aus Selbstschutz…
      Danke, es geht. Wieder zurück in meiner Heimat, in der Nähe meiner Familie zu sein, war schon mal ein wichtiger Schritt in Richtung Besserung 🙂
      ☀️

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