Ich habe nie herausgefunden, was sie mit F. gemacht haben.
Da sie nicht hier bei uns ist, kann ich nur vermuten, dass sie sie in eines ihrer großen Gefängnisse gesteckt haben, die sie draußen vor den Toren der Stadt unterhalten. Dorthin stecken sie diejenigen, die ihnen nicht ins Bild passen, die sich also weigern, bei ihren Arenakämpfen mitzumachen.
Oder sie haben sie „angepasst“, ich weiß nicht, was ich ihr weniger wünsche. Ein Leben im Gefängnis oder ein Leben unter neuer Identität, mit ausgelöschten Erinnerungen an früher, einer Maschine gleich, die perfekte Einwohnerin ohne eigene Meinung und eigenen Willen.
Was sie dabei genau machen, um diesen Puppenzustand zu erreichen, kann ich (zum Glück) nicht sagen, das wissen nur jene, die es durchführen und jene, an denen es durchgeführt wird, und diese schweigen danach für immer. Auch die Gefängnisse kann ich Ihnen nicht genauer beschreiben, über die hören wir nur Gerüchte. Und ich weiß nicht, was schlimmer ist: Zu wissen, dass Gerüchte oft übertreiben, oder dass sie doch nur die halbe Wahrheit sind, weil die ganze es nicht durch die dicken Mauern schafft oder so unaussprechbar ist, dass Worte niemals ausreichen.
Worte. Wörter. Man könnte alle Sprachen der Welt sprechen und nur ansatzweise die menschliche Erfahrung in all ihrer Brillanz und Grausamkeit beschreiben. Vielleicht ist es besser so. Manche Dinge sollten wir nicht aussprechen, und manche müssen frei bleiben, frei vom Gefängnis der Sprache.
Wir werden es wohl erst erfahren, wenn unser Heute Geschichte ist und man die Kinder über uns belehrt. Dann werden unsere Nachfahren hören, was wir uns gegenseitig angetan haben, was wir verpasst haben zu tun, und sie werden die Köpfe schütteln, sie werden sagen, zum Glück ist das nicht mehr so und das wird es auch nie wieder geben, während es in irgendeiner Ecke ihrer Stadt schon geschieht, unter anderem Namen, anderen Vorzeichen, aber heute ist heute und damals ist damals.
Was auch immer der Fall sein mag, ich hoffe inständig, F. geht es gut, wo auch immer sie jetzt sein mag. Und falls Du das hier eines Tages lesen solltest, meine liebe, liebe F.: Ich bin Dir von Herzen dankbar für alles, was du für mich getan hast. Es waren Deine Hinweise, die mich hierher geführt haben, wo ich jetzt bin, und auch, wenn das nicht ideal aussehen mag – zu wissen ist immer besser als nicht zu wissen.
Ein weiterer Auszug aus meinem neuesten Buchprojekt. F. war eine gute Freundin der Protagonistin, bis sie eines Tages spurlos verschwindet und nur Hinweise hinterlässt für deren Suche nach den Unterirdischen Seen.
Frisch aus der Feder, also seid bitte nachsichtig 😉
[Regensburg, 9.4.24]
Ich bin kein Lektor, aber: Was willst du da noch verbessern?
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Das nehm ich mal als Kompliment 😄🙏
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Gute Wünsche für dies Buchprojekt! Und schöne Frühlingszeit, Bernd
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Danke Dir, wünsch ich ebenso 🙏🌸
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