Da ich mich in meinem aktuellen Buchprojekt mit der Frage auseinandersetze, was es bedeutet, „Mensch“ zu sein (was uns also von Maschinen unterscheidet), habe ich mal kurz recherchiert, was andere dazu gesagt haben. Hier eine kleine, feine Auswahl zur Inspiration:
Der Mensch ist für eine freie Existenz gemacht, und sein innerstes Wesen sehnt sich nach dem Vollkommenen, Ewigen und Unendlichen als seinem Ursprung und Ziel. (Matthias Claudius)
Organe sind wir eines großen Körpers. (Lucius Annaeus Seneca)
Denke dir ein Endliches ins Unendliche gebildet, so denkst du einen Menschen. (Friedrich Schlegel)
Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung. (Stanislaw Jerzy Lec)
Gott rührte den Lehm, aus dem er den Menschen schuf, nicht mit Wasser an, sondern mit Tränen. (Aesop)
Betrachte den Fühler dieses feingliedrigen Käfers! Was ist der Mensch anderes als solch ein Fühler, von unbekannter Urkraft ausgestreckt, tastend sich über die Dinge zu unterrichten suchend, zuletzt forschend zurückgekrümmt auf sich selbst? Der Mensch, ein Taster Gottes nach sich selbst. (Christian Morgenstern)
Der Mensch ist eine in der Knechtschaft seiner Organe lebende Intelligenz. (Aldous Huxley)
Maske: das alte Wort dafür ist Person. Ob es nun von durchtönen oder von prosopon kommt: Person ist in jedem Fall Maske. (Erhart Kästner)
Alle anderen Dinge müssen. Der Mensch ist das Wesen, welches will. (Friedrich Schiller)
Die Menschenkinder sind ja alle Brüder / Aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder / Hat Krankheit nur einzig Glied erfasst / So bleibt anderen weder Ruh und Rast / Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt / Verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt. (Sa’adi)
[…] Und der Mensch heißt Mensch/ Weil er vergisst / Weil er verdrängt / Und weil er schwärmt und stillt / Weil er wärmt, wenn er erzählt […] Weil er irrt und weil er kämpft / Und weil er hofft und liebt / Weil er mitfühlt und vergibt […] / Und weil er schwärmt und glaubt / Sich anlehnt und vertraut / Und weil er lacht / Weil er lebt / Du fehlst (Herbert Grönemeyer)
Was uns zum Menschen macht, müssen wir uns bewusst machen, vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Bereiche von Maschinen übernommen werden.
Habt ihr ein Lieblingszitat zum Thema? Oder was bedeutet es für euch, „Mensch“ zu sein?
Fragen der philosophischen Anthropologie. Ist aber ein harter Brocken!
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Es gibt einen interessanten Link zum Thema „Der Neue Mensch“ bei der Bundeszentrale für Politische Bildung mit etlichen Beiträgen:
https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/10247_Der_neue_Mensch_web.pdf
und auch die Ausführungen auf
https://andersindset.com/de/das-denken/wir-untoten-der-ruf-nach-lebendigkeit-im-21-jahrhundert/
sind zum Teil recht spannend.
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Ui dankeschön!
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Eine der dringlichsten Fragen der heutigen Zeit, die der breiten Masse mit Nachdruck gestellt werden sollte (Philosophen stellen sich diese Frage ja schon lange), aber nicht nur im Hinblick auf die Abgrenzung gegenüber Maschinen. Sie hat Folgen für alle Bereiche unseres Handelns. Allerdings glaube ich, dass die Masse dieser Frage gar nicht auf den Grund gehen möchte, da die Antworten Konsequenzen einfordern würden, die der Einzelne in der Regel nicht will.
Für eine Diskussion dieser Frage müsste man sich zunächst auf eine Ebene und eine Skala einigen, auf der eine Antwort gefunden werden soll. Deine Zitate sind ja zum Teil subjektiv, zum Teil nehmen sie den Fokus nur auf einen bestimmten Aspekt, usw.
Versuche ich eine objektive Antwort, finde ich in den Zitaten zunächst zweimal den Willen, bzw. Freien Willen. Die neurophilosophische (z.T. auch psychologische) Diskussion der letzten Jahrzehnte zeigt, dass dessen Existenz nun so überhaupt nicht leicht zu bejahen ist. Und in ihm die Abgrenzung gegenüber der Tierwelt (oder sicher schon sehr bald gegenüber manchen Arten von KI) zu finden, ist nochmal so schwer, sofern es denn dazu überhaupt mal einen Konsens geben wird. Eigentlich ist es sogar unmöglich, wie ganz banale Beispiele zeigen. Nehmen wir z.B. einen Komapatienten, oder ein Neugeborenes. Beide haben keinen freien Willen (der Komapatient vermutlich überhaupt keinen Willen), jedenfalls nicht mehr als eine Hauskatze (eher weniger). Der Definition nach („Ein Mensch ist ein Lebewesen, das einen freien Willen hat“) wären Neugeborenes oder Komapatient also keine Menschen. Das aber wird niemand annehmen, das Kriterium ist also auf objektiver Ebene unbrauchbar.
Dann finde ich den – nennen wir es mal so – Glauben an ein Göttliches, was den Menschen ausmacht. Doch jeder weiß, dass nur ein Teil der Menschen diesen Glauben teilt. Und auch die Fähigkeit zum Glauben ist sehr unterschiedlich (aktuell z.B.: https://scilogs.spektrum.de/3g/glauben/ ), wodurch auch spirituelle Empfindungsfähigkeit als Kriterium ausscheidet.
Vielleicht wäre eher das Fühlen (i.S.v. Emotion & Co.) ein geeignetes Kriterium? Gegenüber der Maschine könnte das noch eine Weile ein gutes Abgrenzungsmerkmal sein. Aber es würde umgekehrt nicht den Menschen definieren. Der heutige Stand der Ethologie/Verhaltensbiologie, Neurobiologie usw. zeigt, dass die trennende Mauer zwischen Mensch und Tier längst gefallen ist (beim Fühlen wie auch beim Denken). Richtig wäre also: Eine Maschine ist kein Mensch, weil sie nicht fühlt. Falsch wäre: Ein Mensch ist ein Mensch, weil er fühlt. Denn dann würde auch gelten: Ein Blauwal ist ein Mensch, weil er fühlt.
So ließen sich viele Kriterien untersuchen, und man würde doch zu keiner objektiven Antwort finden, außer jener der biologischen Definition von Mensch als Art in der Gattung Homo.
Vielleicht wird man ja eines Tages sogar zu dem Schluss kommen, dass auf der Ebene der „Objektivität“ und der Skala des Lebens auf diesem Planeten (vermutlich des Universums) der Mensch gar nichts Besonderes ist (was ihm nicht seinen „Wert“ nimmt) und Abgrenzungsmerkmale kein geeigneter Ansatz in ethischen Fragen zum Umgang mit Maschinen sind (by the way: Es wird stellenweise bereits diskutiert, ab welchem Punkt man einer KI konsequenterweise Grundrechte wie den Menschen wird zugestehen müssen).
An dieser Stelle beende ich erstmal meine Gedanken. Du brauchst auf meinen Kommentar nicht zu antworten (ich folge deinem Blog ja schon lange und weiß um bestimmte Grenzen des Machbaren, über die du öffentlich schriebst). Ich wollte ja auch keine Antworten geben oder Diskussionen lostreten, sondern nur mal so meine Gedanken lose in den Raum stellen…
Subjektiv werdend: Eine Antwort auf deine Frage wäre für mich persönlich, also abseits aller Objektivität, nicht in Worte, sondern in Musik gefasst, solcher Musik wie z.B. Schönbergs „Verklärter Nacht“ ( https://youtu.be/5h5Xc-rUef4?si=lL2JUTC1FyOPT0gV ).
Danke für deine Frage und alles Gute dir.
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Oh danke dir für diesen hochinteressanten Kommentar, der mir einiges zu denken gibt. Im Grunde will ich in meinem Buch vor allem die Frage nach dem Menschsein aufwerfen, nicht zu laut, aber doch hörbar. Als chronisch kranker Mensch ist auch die Frage, was das (unser) Leben eigentlich ausmacht, wichtig. Vielleicht oder sogar sehr sicher geht es im Buch auch darum. Und das merke ich dann immer besonders, wenn es mir in den Ausnahmemomenten möglich ist, zu tanzen, zu flirten, ganz ich selber zu sein – dann fühle ich mich erst wieder so richtig lebendig.
Deine persönliche Antwort find ich schön. Solche Musik ist „inspiriert“ und fühlt sich (wenn man in der richtigen Stimmung ist) seelenerhebend an. Ich glaube, darin liegt auch ein Unterschied zur Maschine.
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Ganz lieben Dank für deine Antwort! Aus Gründen, die in meinem eigenen Dasein liegen, verstehe ich dich sehr, sehr gut. Von Herzen alles Gute für dein Projekt!
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Danke 🙏:)
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