Mir träumte heute: Zwei Männer fahren mich zu meinem neuen Zuhause, der Zug ist ausgefallen, sie haben mich mitgenommen, dafür biete ich ihnen einen Schlafplatz in meinem viel zu großen Haus an. Ich kenne das Haus gut, viel zu gut, auch wenn es, wie in Träumen üblich, etwas anders aussieht als in echt. Aber es ist das Reihenhaus, in dem ich meine halbe Kindheit verbrachte, in dem meine Mama aufgewachsen ist und meine Großeltern bis vor kurzem noch gelebt haben.
Ich war gerade erst da, ist nicht lange her, denke ich, müsste also aufgeräumt und ordentlich sein, bereit für Gäste. Wir betreten das Haus in der Vorfreude, uns nach der langen Reise etwas erholen zu können, doch schockiert bleibe ich noch im Eingangsbereich stehen: Es sieht aus, als wären Jahrhunderte vergangen, seit ich das letzte Mal hier war, mir wird übel.
Auf dem Boden liegt Erde, überall kringeln sich fette, weiße Maden. Wir haben Hunger, sehen in den Schränken in der Küche nach, ob Oma uns etwas hinterlassen hat. Hinter jedem Türchen stapeln sich Kastenkuchen mit Kirschen, auch sie wimmeln von Maden. Wo wir nur hinsehen: Kirschkuchen und Maden.
Einer der zwei Jungs beginnt, die Maden auf dem Boden aufzusaugen, mit dem anderen gehe ich in den riesigen Garten, auch er verwildert, der einstmals so gepflegte Rasen voller Eicheln. Hier könnten wir einen Rave veranstalten, sagt der Typ, dessen Name ich nicht kenne, und ich nicke, wär gut, aber was ist mit den Nachbarn, ich muss ja jetzt hier leben.
Ich weiß nicht, wie es ausgegangen ist. Ich träume oft vom Reihenhaus von Oma und Opa, beinahe täglich gehe ich daran vorbei, doch nur im Traum kann ich es betreten, jetzt wohnen dort andere, fremde Leute.
Jede Nacht träume ich wild und bunt, doch nicht jeder Traum prägt sich so ein wie dieser (oder der letzte Gorilla-Traum).