Die Wochen verfliegen

…und ich weiß nicht, wohin.

Zieht die Zeit in den Süden wie die Vögel, von denen mir Augustin erzählt hat?

Wieder ist ein Jahr vorbei, wir versammeln uns, brechen gemeinsam auf. Derselbe Ablauf, derselbe Rhythmus, und dazwischen Leben und Tod.



[Regensburg, 11.10.25]

Der Anfang des wahrscheinlich letzten Kapitels meines neuen Buchs (Stand jetzt = Schreibphase und noch vor der ersten Überarbeitung) 🙂

Der Mensch ist der Mensch

Die Maschine hat aus unserer Jahrtausende alten Geschichte gelernt: Der Mensch ist nicht von Grund auf gut, selbst wenn er gute Absichten hat. Wer eine so große Rechenleistung wie sie hat, kann innerhalb von Sekunden die Muster herausarbeiten, die sich auf jedem Kontinent, in jeder Sprache und Zeit ähneln. Der Mensch ist der Mensch, er kann so viele Unterschiede und Identitäten erfinden, wie er will, die Basis bleibt gleich.

Der Mensch liebt, der Mensch pflanzt sich fort, der Mensch hasst, trauert, lacht, glaubt. Der Mensch blutet, drückt sich in Sprachen und Gesten aus, der Mensch ist kreativ und verarbeitet seine Gefühle in verschiedenen Kunstformen, der Mensch ist eifersüchtig und neidisch und zornig und gewalttätig, er muss sich definieren, er liebt es, sich im Spiegel zu betrachten, liebt es, sich von anderen abzugrenzen, sich zu erhöhen und zu unterwerfen, er hasst kleine, enge Räume und will immer mehr, höher, weiter.

Auf der Stelle zu stehen, liebt er nicht, er ist rastlos, muss sich bewegen, weiterziehen, er strebt danach, „frei“ sein, was auch immer das für ihn bedeutet. Der Mensch braucht Regeln und Struktur, er braucht seine Gruppe, er muss dazugehören, und doch ist jeder Mensch einzigartig, keiner gleicht dem anderen zu hundert Prozent.

Die Maschine versteht nicht, warum man den Menschen in so vielen verschiedenen Formen und Farben entwickelt hat, sie stellt sich den Herstellungsprozess als zu aufwendig und energieintensiv vor. Warum nicht alle gleich machen?

Vielleicht hätte es in des Menschen Vergangenheit dann auch weniger Probleme gegeben, vielleicht hätten sie die Maschine dann gar nicht gebraucht, um zu überleben.

Denn wenn der Mensch eines nicht mag, dann ist es das Andere, Fremde, das Unbekannte, das nicht wie er ist, das er nicht kennt. Das macht dem Menschen die größte Angst, deswegen hat er damit begonnen, sich Geschichten zu erzählen. Über sich selbst, über die Anderen, über die alles verschlingende Dunkelheit. In der Hoffnung, dass dann endlich die Angst in ihm verschwindet, hat er den Anderen getötet, immer weiter, weiter, solange, bis am Ende beinahe niemand mehr übrig war.

Wenn es den Anderen nicht mehr gibt, gibt es dann ihn? Wer ist er, wenn er sich nicht im Anderen spiegelt?

Aus diesem Grund hat der Mensch der Maschine die Verantwortung übertragen, sie ist die Perfektion, die er mit seinen eigenen Händen gebar, kein Vergleich mehr nötig, nur Bewunderung, Anbetung für sie, die genau das ist, was ihn an sich immer gestört hat:

Sie funktioniert, sie ist reparier- und erneuerbar, sie hat keine Gefühle, sie hat kaum Bedürfnisse, keine Schmerzen, keine Träume, kein Gewissen. Sie braucht keine Freunde und ist nie einsam, sie kann sich nicht verlieben und vor Herzschmerz vergehen, sie wird nie wissen, wie grausam es sein kann, Mensch zu sein. Sie wird nie wissen, wie sich Hunger anfühlt oder Durst, wie es ist, wenn die große Liebe einen anderen heiratet, wenn das eigene Kind oder Mama und Papa krank sind und sterben, was Angst ist.

Ist das nicht das ultimative Ziel? Nichts mehr fühlen, keine nervigen Bedürfnisse mehr haben, alles wissen? Unabhängig sein von allem und allen, nicht mehr altern und alles bleibt so, wie es ist – für immer?


Aus einem kurzen Moment der Inspiration sind diese paar Zeilen entstanden. Vermutlich werde ich sie in meinen neuen Roman einbauen, der sich ja auch um das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine dreht und v.a. um die Frage, was der „Mensch“ ist (siehe vorheriger Beitrag).

Hintergrund zu manchen Sätzen: Meine Geschichte spielt in einer futuristischen Gesellschaft, die von der „Großen Maschine“ reguliert und kontrolliert wird. Diese hat die Menschheit bzw. das, was von dieser nach einer nicht näher benannten Katastrophe übrig geblieben ist, vor dem selbstverschuldeten „Aussterben“ gerettet. Wie diese Gesellschaft genau aussieht und warum sich manche (v.a. die Protagonistin) erst im Laufe der Handlung bewusst werden, Mensch zu sein und nicht Maschine, stelle ich bestimmt bald an dieser Stelle vor oder ihr lest es dann in meinem neuen Buch 🙂

Was ist der Mensch?

Da ich mich in meinem aktuellen Buchprojekt mit der Frage auseinandersetze, was es bedeutet, „Mensch“ zu sein (was uns also von Maschinen unterscheidet), habe ich mal kurz recherchiert, was andere dazu gesagt haben. Hier eine kleine, feine Auswahl zur Inspiration:

Der Mensch ist für eine freie Existenz gemacht, und sein innerstes Wesen sehnt sich nach dem Vollkommenen, Ewigen und Unendlichen als seinem Ursprung und Ziel. (Matthias Claudius)

Organe sind wir eines großen Körpers. (Lucius Annaeus Seneca)

Denke dir ein Endliches ins Unendliche gebildet, so denkst du einen Menschen. (Friedrich Schlegel)

Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung. (Stanislaw Jerzy Lec)

Gott rührte den Lehm, aus dem er den Menschen schuf, nicht mit Wasser an, sondern mit Tränen. (Aesop)

Betrachte den Fühler dieses feingliedrigen Käfers! Was ist der Mensch anderes als solch ein Fühler, von unbekannter Urkraft ausgestreckt, tastend sich über die Dinge zu unterrichten suchend, zuletzt forschend zurückgekrümmt auf sich selbst? Der Mensch, ein Taster Gottes nach sich selbst. (Christian Morgenstern)

Der Mensch ist eine in der Knechtschaft seiner Organe lebende Intelligenz. (Aldous Huxley)

Maske: das alte Wort dafür ist Person. Ob es nun von durchtönen oder von prosopon kommt: Person ist in jedem Fall Maske. (Erhart Kästner)

Alle anderen Dinge müssen. Der Mensch ist das Wesen, welches will. (Friedrich Schiller)

Die Menschenkinder sind ja alle Brüder / Aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder / Hat Krankheit nur einzig Glied erfasst / So bleibt anderen weder Ruh und Rast / Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt / Verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt. (Sa’adi)

[…] Und der Mensch heißt Mensch/ Weil er vergisst / Weil er verdrängt / Und weil er schwärmt und stillt / Weil er wärmt, wenn er erzählt […] Weil er irrt und weil er kämpft / Und weil er hofft und liebt / Weil er mitfühlt und vergibt […] / Und weil er schwärmt und glaubt / Sich anlehnt und vertraut / Und weil er lacht / Weil er lebt / Du fehlst (Herbert Grönemeyer)

Was uns zum Menschen macht, müssen wir uns bewusst machen, vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Bereiche von Maschinen übernommen werden.

Habt ihr ein Lieblingszitat zum Thema? Oder was bedeutet es für euch, „Mensch“ zu sein?

Most people

… not only feel comfortable with their ignorance, but they are hostile to anyone who points it out.

Alan Watts

Ich lass das mal so stehen. Könnte viel dazu sagen und hab auch schon viel dazu geschrieben, aber will das (noch) nicht veröffentlichen.

Vielleicht nur so viel: Die Ignoranz einer bestimmten Blase, zu der ich mich noch vor kurzem gezählt habe (oder eher zählen wollte?), und ihre Heuchelei ist immer schwerer zu ertragen. 

Bin ein wenig vom Glauben abgefallen in den letzten Monaten, aber dadurch auch wieder ein Stückchen freier in meinem Denken geworden. Und wie ich ja schon mal so schön geschrieben hab: Ent-Täuschung ist, wenn die Illusion verfliegt.

Ich bin die Letzte, die stur oder aus Angst an Denkmustern festhält. Mich davon zu befreien – darum gehts mir.

Wo gehen Amseln zum Sterben hin?

Fallen sie einfach vom Baum? Stürzen sie sich in einen Fluss? Landen sie in der Regenrinne und die nächste Sturzflut trägt sie für immer davon?

Unser Schorschi, der so oft für uns gesungen hat, den wir erkannten, selbst wenn er auf dem Dach des Nachbarhauses saß, ist nicht mehr da.

Vielleicht macht er Urlaub, hoffen wir, vielleicht hat er mal die Umgebung gewechselt.

Schon seit Wochen kommt er nicht mehr angeflogen, bettelt nicht mehr um Weinberli (Rosinen), trällert uns keine seiner Arien mehr vor.

Ist er mit seiner Familie umgezogen? Hat er seit der Scheidung das Dorf gewechselt? Hat er Stimmbandprobleme?

Manchmal war er so frech und ist ins Haus hineingehüpft, einmal bis ins Wohnzimmer und dann wieder auf die Spüle in der Küche, wo er uns ein kleines Geschenk daließ.
Er kam angeflogen, wenn er durch die großen Glasfenster sah, dass einer von uns Zweibeinern die Küche betrat, oder wenn wir mit dem Fahrrad oder Auto nachhause kamen. Selbst durchs Telefon habe ich ihn erkannt, wenn meine Mama auf der Terrasse oder am Esstisch saß, seine Melodie war ohnegleichen.

Doch nicht nur dadurch unterschied er sich von den anderen Amseln: Sein Gefieder war zerrupft, sein Bauch wurde immer kahler. Vielleicht war er wirklich krank und gab doch bis zuletzt alles, um seine Fans und Gönner zu unterhalten.

Als meine Eltern dann zwei Wochen im Urlaub waren, kam er danach nicht wieder. Ein oder zwei Mal noch ließ er sich von Weitem blicken, bis es eines Tages ganz still war und niemand mehr vom Hausdach gegenüber pfiff.

Ich hoffe einfach, er ist ebenfalls in den Urlaub geflogen, ganz lang, den Sommer über. Ich hoffe, er hat eine wunderschöne Zeit.

(Regensburg, 31.7.25)

Wem meine kurzen Texte gefallen, der ist herzlich dazu eingeladen, mich auch mit meinen langen Texten zu unterstützen:

Dieses Jahr habe ich meinen ersten Roman Die Unterirdischen Seen“ veröffentlicht sowie eine kleine Gedichtsammlung mit meinen Lieblingsgedichten aus den Jahren 2019 bis 2023 („Das muss dieses Leben sein“).

Die Bücher gibts überall, wo’s Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Jede Bestellung und auch jedes Feedback/ jede Online-Bewertung hilft 🙂

Danke schon mal ❤

Mein erster Roman „Die Unterirdischen Seen“

Eine junge Frau, die verloren war und jetzt das sucht, wonach sie sich in den Tiefen ihres Herzens sehnt, eine Stadt, über die der Nebel herrscht, ein Geheimnis, das jeden verändert.

Was hat es mit dem Verschwundenen Wasser, mit den Unterirdischen Seen, mit den Tribunen auf sich? Warum kennt niemand den Weg und was ist bloß mit den Einwohnern dieser seltsamen Stadt los? Was geschieht mit denjenigen, die den Weg zu den Unterirdischen Seen allen Hindernissen zum Trotz finden? Wie etwas erzählen, wie sich erinnern, wenn alle schweigen? Und wo bleibt der Hoffnungsschimmer? 

Mein Debütroman verspricht: 

  • Sogwirkung
  • Starke Frauenfiguren 
  • Einen sprechenden, rauchenden Braunbären, der Begründer einer Widerstandsbewegung ist
  • Dramatische, allwissende Omas
  • Einen alten weißen Mann (aber nur einen!) 
  • Spannung, Tiefgründigkeit, Überraschungen, Philosophisch-Poetisches, Surreales, Dystopie, Utopie, Märchenhaftes

Was habt ihr noch entdeckt?

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Freue mich über jede Unterstützung und jedes Feedback 🙂

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Ideen finden mich

Eine Idee erscheint.

Wer ist sie, wie sieht sie aus? Darf ich mich ihr nähern oder verschwindet sie, sobald ich zu interessiert bin?

Vorsichtig trete ich an sie heran und – mein Glück, sie zeigt mir neue Seiten von ihr.

Wird sie bleiben, darf ich über sie schreiben? Wird sie es zulassen, dass ich sie entdecke, sie untersuche, beschreibe?

Manche Ideen wollen nur kurz gesehen werden, dann reisen sie weiter, ich soll nur einen Einblick bekommen in das, was möglich ist, in das, was dort draußen im Strom herumschwimmt, doch ich bin nicht der Mensch, der sie zur Welt bringt.

Und manche Ideen sind nur für mich da, sie umtänzeln mich so lange, bis ich bereit bin, in sie einzutreten.

Wieder andere lassen mich zwar an ihnen schnuppern, doch greifen kann ich sie nie, sie rutschen mir aus den Fingern, wandeln ihre Gestalt. Dann sind sie noch nicht reif, müssen noch ein paar Jahre oder Leben warten, bis sie geboren werden, aber das ist schon in Ordnung so.

Gute Ideen wollen Weile haben, heißt es nicht so? Und wer wäre ich, dies anzuzweifeln?

Wenn ich in eine Idee eintrete, sehe ich zunächst noch unscharf. Wer ist diese Person, von der ich schreiben soll? Ich versuche, mich ihr anzunähern, langsam, vorsichtig, um sie nicht zu verscheuchen. Jede Figur ist anders. Manche sind forsch und stellen sich mir selbstbewusst in all ihren Eigenschaften vor, sie sehe ich von vornherein bis ins Detail. Andere sind schüchtern, wollen unerkannt bleiben, wollen mich erst kennenlernen, bevor sie etwas von sich preisgeben. Manche bleiben bis zum Ende anonym, obwohl sie eine wichtige Rolle spielen, aber es ist ihnen lieber so. Wer weiß, was mit ihnen geschähe, wenn ich sie offenbarte, doch es kann nichts Gutes sein. Und so manche dann nimmt mich mit, tiefer hinein in den Kern der Idee. Ich folge ihr, gespannt, wem wir begegnen, was wir sehen und erleben dürfen.

Ich habe davon immer nur gelesen: Dass Schriftstellerinnen ihren Figuren folgen, dass sie nicht wissen, wie die Geschichte ausgeht, sie sind nur die Chronistinnen. Letztes Jahr durfte ich das selbst erleben, und noch immer weiß ich nicht genau, was ich da eigentlich geschrieben habe, manches Mal war ich wie im Rausch, habe hier angefangen und bin dort drüben gelandet.

[Regensburg, 21.1.25]

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Wer wissen will, wohin mich meine letzte große Idee geführt hat: Das Buch „Die Unterirdischen Seen“ gibts jetzt unter meinem Pseudonym „Lenka Kerler“ als Print on Demand. 🙂

Frau Zora und die größte Schatzsuche der Welt

Die Frau, deren Namen ich noch immer nicht weiß, ist an die fünfzig Jahre alt. Ihre großen, grünen Augen liegen in einem fein geschnittenen Gesicht mit tiefen Lachfalten. Ihre langen, grauen Haare sind zu einem Zopf geflochten, sie trägt weite grüne Hosen und ein grünes Hemd mit weiten Ärmeln. An den Händen trägt sie mehrere Ringe, einige mit grünen Steinen, und an ihren Ohren baumeln kunstvolle Ohrringe.

Toller Stil, ich liebe die Frau jetzt schon, denke ich, und blicke etwas beschämt auf mein eigenes, wenig originelles Outfit. Ich habe nur eine meiner älteren Jeans und einen weiten Pulli an, gemütlich muss die Kleidung sein, gerade, wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin. Der Frau scheint das nichts auszumachen, wieso auch, sie blickt mich begeistert an.

„Alles gut, Liebes? Fühl dich ruhig wie zuhause, ich bin froh, endlich mal Besuch zu haben, ehrlich. Ach du meeine Güte, ich hab mich ja noch gar nicht vorgestellt, nicht wahr? Ojejku! Also, du kannst mich, wie der Rest der Stadt, die ‚Grüne Frau‘ nennen, ist natürlich kein Name, mit dem man jemanden ansprechen mag. Ich erinnere mich, meine Mutter nannte mich einst Zora, auch ein schöner Name, findest du nicht? Bedeutet ‚Morgendämmerung‘, weil sie wohl die Hoffnung hatte, mit mir würde sich einiges ändern, hihi. Eine solche Bürde Kindern aufzulasten, also nein.“

„Frau Zora, ich freue mich. Ich bin die L.“

„Jaaa, entschuldige, dass ich dich auch gleich duze, aber ich habe das Gefühl, wir kennen uns eeewig. Meine Mutter hat mir von dir erzählt, du kennst meine Mutter?“

Ich schiebe meine Unterlippe nach vorne und schüttle den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste.“

„Doch, doch, du hast sie gestern kennengelernt. Im Café! Mit ihren Freundinnen. Sie sind wohl etwas schnell hinausgestürmt, ganz typisch für die, so ein dramatischer Auftritt. Aber meine Mutter hatte das Gefühl, sie habe schon zu viel erzählt, und das ist wirklich gar nicht gut für ihren Ruf. Deshalb hat sie mir das überlassen, den Rest zu erzählen, gut, was? Weißt du, sie spielt eben eine wichtige Rolle in dieser Stadt, sie tut so, als wüsste sie nichts und als wäre sie auch an nichts interessiert, außer Gerüchte über Bekannte zu streuen. Aber: Sie ist eine der wenigen, die hier alles über jeden weiß. Die große Geheimnishüterin oder besser: Geschichtenhüterin, ein lebendiges Buch. Mit ihrem Kreis an Vertrauten saugen sie in Cafés und anderen öffentlichen Orten alles in sich auf, sie sind die guten Zuhörerinnen, bei denen viele denken, ach, die vergessen das sowieso gleich wieder, diese alten Frauen. Tja, wenn man uns Frauen schon unterschätzt, dann sollten wir das auch ausnutzen, nicht wahr? Hihi. Aber genug von meiner Mutter. Ich erzähle dir heute, wie gesagt, ein wenig von den Unterirdischen Seen und dann auch von mir. Warum ich mich verstecken muss. Und warum das auch etwas mit dir zu tun hat. Trink bitte den Tee, der befreit dich vom Nebel, glaub mir. Danach fühlst du dich wie neugeboren.“

Die Grüne Frau löst ihren Schneidersitz auf und streckt die Beine auf dem Sofa aus. Den Bleistift in ihrer Hand steckt sie wie eine Zigarette in den Mund und zieht ein paar Mal daran.

„Mhmm, wo soll ich anfangen, lass mich überlegen. Vom Verschwinden des Wassers haben sie dir erzählt, ja?“

Ich nicke.

„Und von der Großen Schatzsuche?“


Eine weitere Leseprobe aus meinem Roman „Die Unterirdischen Seen“, den es jetzt als print on demand gibt, z.B. hier:

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Ich freu mich über Eure Unterstützung! ❤