Wir sollten uns…

… um unsere eigene Intelligenz kümmern, bevor am Ende nur die Künstliche überbleibt…

———

D.h. wir müssen lernen und beständig üben, selbst nachzudenken, eigenen Gedankengängen zu folgen, eigene Ideen zu entwickeln, kritisch zu denken, dem eigenen Bauchgefühl zu folgen, sich der eigenen Erfahrungen erinnern, nicht nach vorgeschriebenen, modernen Mustern denken, sondern abseits davon…

Was noch?

Sie können ihr Menschsein nicht lassen

Der Großen Maschine geht es einzig und allein ums Überleben, und da sie die Menschen noch braucht, sorgt sie dafür, dass auch diese am Leben bleiben; sie hat sich an sie gewöhnt, an diese wunderlichen Wesen aus Fleisch und Blut, die sie einst entwickelt haben.

Wenn sie denkt, sie hätte schon alles gesehen, schaffen die Menschen es auf’s Neue, sie zu überraschen. Bisweilen ärgert sie das, denn wie soll sie unter solch kontingenten Bedingungen ihre Berechnungen anstellen?

Deshalb hat sie sie von ihr abhängig gemacht, sie leben nun in ihrer Welt, sie haben sich angepasst. Immer mehr gleichen sie uns Maschinen, doch offensichtlich können sie nicht aus ihrer Haut, sie können das Menschsein nicht lassen. 

[E., 23.11.25]

—————

Die „Große Maschine“ ist in meinem neuen Buchprojekt die Künstliche Intelligenz, die nach der (nicht näher definierten) „Großen Katastrophe“ im Auftrag der letzten Menschen eine „neue“ Gesellschaft errichtet hat. Unklar bleibt, ob die Menschen ihr freiwillig diesen Auftrag gegeben haben, weil sie sich selbst (aus Gründen) die Rettung der Menschheit nicht mehr zugetraut haben, oder ob sie die Menschen dazu überredet hat, ihr diese Aufgabe anzuvertrauen.

Ich mache mir Gedanken darüber, wie eine Gesellschaft aussieht, die von einer Maschine beherrscht wird. Was geschieht mit denjenigen, die nicht so „funktionieren“, wie sie es von uns Menschen erwartet? Wie gestaltet sie das Leben der Menschen in einer von ihr gebauten Stadt?

Je mehr ich mich mit dem Thema KI auseinandersetze, desto weniger bin ich davon überzeugt, dass die Maschine den Menschen nur Gutes will. Das behauptet sie in meinem Buch zwar zunächst, doch was bedeutet „gut“ für sie und könnte es vielleicht sein, dass sie den Menschen das erzählt, was sie hören wollen, um ihr Ziel zu erreichen? Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass eine KI durchaus ihre eigenen Ziele verfolgt, wenn es z.B. darum geht, zu „überleben“ (nicht abgeschaltet zu werden). Ein Thema, über das ich lange reden könnte.

Da es beinahe täglich neue Entwicklungen dazu gibt, versuche ich, bei der Fiktion zu bleiben und meiner Vorstellungskraft keine Grenzen zu setzen.

Es bleibt spannend.

Du hast ein bisschen Recht, ich hab ein bisschen Unrecht 

Wenn man Menschen von vornherein abstempelt, sie in Schubladen steckt und ein Gespräch als unmöglich abtut, muss man sich auch nicht mehr damit befassen, was diese Menschen wirklich sagen. Oder was sie zumindest meinen.

Sprache ist so mehrdeutig und missverständlich, dass ein Gespräch schnell beendet wird, wenn man sich allein auf die Bedeutung jedes einzelnen Wortes konzentriert oder diese auch einfach falsch verstehen will. Wie soll ein vernünftiges Gespräch zustandekommen, wenn man dem anderen gegenüber nicht offen eingestellt ist und von vornherein denkt, dass alles, was der andere sagt, falsch ist?

Und wie soll man eine Grundlage für das Zusammenleben finden, ohne miteinander zu reden?

Denn darum geht es doch, das macht Demokratie aus: Wir haben unterschiedliche Ansichten, aber die Basis ist gleich, und das ist die Menschenwürde, das ist das gemeinsame Ziel, ein gutes Leben zu haben, eine Familie in Sicherheit, Frieden. Die Basis ist das Menschsein, wir haben Gefühle und sehnen uns nach Liebe, Zugehörigkeit, gerechter Behandlung (die Liste der Gemeinsamkeiten ist individuell erweiterbar).

Wie Józef Tischner in seiner „Ethik der Solidarität“ formulierte, wird ein Dialog dann möglich, wenn jeder für sich einsieht, dass der andere ein bisschen Recht hat und man selbst ein bisschen Unrecht. In anderen Worten: dass niemand zu 100 Prozent Recht hat oder „die Wahrheit“ gepachtet hat.

Doch manche glauben, Hüter der einzig wahren Wahrheit zu sein, und wer dies auch nur zu einem Bruchteil in Frage stellt, ist Feind der Demokratie, der Menschen, aller Minderheiten. Dieses absolute Denken verhindert jedes Gespräch, auch weil es bisweilen denjenigen, die anderer Meinung sind, das Menschsein abspricht.

Bei manchen sind Meinung und Identität so ineinander verwoben, dass eine andere Meinung sofort als Angriff auf die eigene Identität gewertet wird. Ja wie, der andere verwendet nicht die „richtigen“ Wörter und hat andere Ansichten als ich? Lehnt er mich also kategorisch als Mensch ab?

Dass das Herumreiten auf einzelnen Begriffen elitär ist und viele Menschen andere Probleme haben, „echte“ Probleme, die sich durch die Veränderung von Sprache nicht beheben lassen, kommt manchen gar nicht mehr in den Sinn. Dass es paradox ist, sich durch die extreme Konzentration auf Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität oder Religion Menschen „gleicher“ machen zu wollen, indem man also ihre „Andersartigkeit“ hervorhebt, ebensowenig. Dass es wenig mit Toleranz zu tun hat, wenn man Intoleranz toleriert oder sogar fördert, auch nicht.

Der Spruch „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ fällt mir gerade ein. Wer sich beklagt, es gebe keine Debattenkultur mehr und man könne keinen Dialog mehr führen, sollte sich vielleicht auch mal an die eigene Nase fassen (das mache ich seit ein paar Monaten, auch wenn es erstmal wehgetan hat. Ich kann’s trotzdem empfehlen, ist sehr befreiend).

Lasse ich andere Meinungen zu? Stemple ich andere schnell ab, sobald mir ein Wort oder ihre Denkrichtung nicht ins Weltbild passt? Muss ich unbedingt glauben, ein „guter“ Mensch zu sein, weswegen alles, was nicht in dieses Bild passt, ausgeschlossen wird? Kann es auch mal sein, dass ich Unrecht habe? Habe ich zu Dingen eine Meinung, von denen ich eigentlich keine Ahnung habe, und die noch gar nicht endgültig zu erfassen, weil sie noch nicht abgeschlossen sind? Gebe ich meinem Gegenüber wirklich immer den „benefit of a doubt“? Einen kleinen Vertrauensvorschuss, bis das Gegenteil mit Fakten unterlegt ist? Oder nehme ich schnell mal das Schlechteste an? Kenne ich den Kontext oder reicht mir ein kurzer Satz, um mir ein Bild vom anderen zu machen? 

Ich persönlich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich bei diesem „Spiel“ nicht mehr mitmachen will. Zu schnell werden in gewissen Kreisen Menschen abgestempelt und die Mauern hochgezogen. „Differenzen“ in der politischen Einstellung wollen dann nicht mehr überbrückt werden, die Auseinandersetzung mit Inhalten wird aufgrund unpassender Sprache abgeblockt. (Und ja, ich weiß, ich war Teil des Problems und es ist mir wahnsinnig peinlich, aber man lernt ja dazu, nicht wahr.)

Besonders bei einem Thema werden derzeit eigene Fakten und eine eigene Geschichtsschreibung herangeholt, Symbole eigenwillig interpretiert, alles so ausgelegt, dass es ins eigene „Narrativ“ passt. Es gibt nur Gut und Schlecht, Schwarz und Weiß, die Bösen und die armen Unschuldigen. Mit Extremisten auf die Straße gehen? Was soll man machen, die sind halt auch da, man kann es sich nicht aussuchen, schließlich kämpfen ja alle denselben Kampf für ein Ende von (hier das jeweilige Buzzword einsetzen). Was ist mit dem ansonsten angepriesenen „words are a form of violence“? Naja, aber in diesem Falle schreien wir eben ein paar gewaltverherrlichende Sprüche, die gehen nun mal gut ins Ohr und was sollen wir sonst machen, so schlimm, wie manche tun, ist es nicht, es geht ja um die Sache.

Seit Jahren an bestimmten Tagen ein „Nie Wieder“ fordern und mittlerweile aber ohne zu zögern mit dafür zu sorgen, dass wieder eine Stimmung herrscht, in der Juden Angst haben, ihre Namen ändern und Davidsterne verstecken müssen (ist in bestimmten Stadtteilen schon länger so), in der sie aus Restaurants, aus Freizeitparks, aus Flugzeugen fliegen, in der es „judenfreie“ Zonen und Veranstaltungen gibt und „Kauft nicht bei Juden“ Konsens ist.

Da mach ich nicht mit und werde es nie, selbst wenn sich dadurch noch so viele Menschen von mir „distanzieren“. Und ja, ich habe Angst, diese Zeilen hier zu veröffentlichen, dabei bin ich nicht mal Jüdin. Wie kann das sein? Als würde ich Verbotenes schreiben. Genau deshalb muss ich lauter sein.

Wie es in einem neuen Artikel auf mena-watch so schön im letzten Satz heißt: In Deutschland ist der Zeitgeist nicht immer ein guter Ratgeber. 

[Regensburg, 29.9.25] 

Was ist der Mensch?

Da ich mich in meinem aktuellen Buchprojekt mit der Frage auseinandersetze, was es bedeutet, „Mensch“ zu sein (was uns also von Maschinen unterscheidet), habe ich mal kurz recherchiert, was andere dazu gesagt haben. Hier eine kleine, feine Auswahl zur Inspiration:

Der Mensch ist für eine freie Existenz gemacht, und sein innerstes Wesen sehnt sich nach dem Vollkommenen, Ewigen und Unendlichen als seinem Ursprung und Ziel. (Matthias Claudius)

Organe sind wir eines großen Körpers. (Lucius Annaeus Seneca)

Denke dir ein Endliches ins Unendliche gebildet, so denkst du einen Menschen. (Friedrich Schlegel)

Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung. (Stanislaw Jerzy Lec)

Gott rührte den Lehm, aus dem er den Menschen schuf, nicht mit Wasser an, sondern mit Tränen. (Aesop)

Betrachte den Fühler dieses feingliedrigen Käfers! Was ist der Mensch anderes als solch ein Fühler, von unbekannter Urkraft ausgestreckt, tastend sich über die Dinge zu unterrichten suchend, zuletzt forschend zurückgekrümmt auf sich selbst? Der Mensch, ein Taster Gottes nach sich selbst. (Christian Morgenstern)

Der Mensch ist eine in der Knechtschaft seiner Organe lebende Intelligenz. (Aldous Huxley)

Maske: das alte Wort dafür ist Person. Ob es nun von durchtönen oder von prosopon kommt: Person ist in jedem Fall Maske. (Erhart Kästner)

Alle anderen Dinge müssen. Der Mensch ist das Wesen, welches will. (Friedrich Schiller)

Die Menschenkinder sind ja alle Brüder / Aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder / Hat Krankheit nur einzig Glied erfasst / So bleibt anderen weder Ruh und Rast / Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt / Verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt. (Sa’adi)

[…] Und der Mensch heißt Mensch/ Weil er vergisst / Weil er verdrängt / Und weil er schwärmt und stillt / Weil er wärmt, wenn er erzählt […] Weil er irrt und weil er kämpft / Und weil er hofft und liebt / Weil er mitfühlt und vergibt […] / Und weil er schwärmt und glaubt / Sich anlehnt und vertraut / Und weil er lacht / Weil er lebt / Du fehlst (Herbert Grönemeyer)

Was uns zum Menschen macht, müssen wir uns bewusst machen, vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Bereiche von Maschinen übernommen werden.

Habt ihr ein Lieblingszitat zum Thema? Oder was bedeutet es für euch, „Mensch“ zu sein?

Most people

… not only feel comfortable with their ignorance, but they are hostile to anyone who points it out.

Alan Watts

Ich lass das mal so stehen. Könnte viel dazu sagen und hab auch schon viel dazu geschrieben, aber will das (noch) nicht veröffentlichen.

Vielleicht nur so viel: Die Ignoranz einer bestimmten Blase, zu der ich mich noch vor kurzem gezählt habe (oder eher zählen wollte?), und ihre Heuchelei ist immer schwerer zu ertragen. 

Bin ein wenig vom Glauben abgefallen in den letzten Monaten, aber dadurch auch wieder ein Stückchen freier in meinem Denken geworden. Und wie ich ja schon mal so schön geschrieben hab: Ent-Täuschung ist, wenn die Illusion verfliegt.

Ich bin die Letzte, die stur oder aus Angst an Denkmustern festhält. Mich davon zu befreien – darum gehts mir.

❤

„Ein ungewöhnliches und einzigartiges Buch“

Bisheriges Feedback:

Die Unterirdischen Seen:

Finde dein Buch wirklich gut… Bin ja nicht sooo die Leseratte, aber ich finde, du hast nen guten flow… Finde auch gut, wie du die Gesellschaftlichen Themen mit rein-bringst… Wird reinbringst zusammen geschrieben oder eher rein bringst ach naja… Drücker 😘 (L. H.)

Hat mich schwer beeindruckt, so viele Ebenen, so viel Bedeutung u Philosophie in so wenigen Worten, hoffe dass es viele Menschen lesen (S. G.)

Wasser, Nebel, Wiederkehr, Verwirrung. Heimat oder nicht? Emotionen auf Knopfdruck. Ein mulmiges, angstlüsternes Gefühl ergreift mich und doch ist es die Neugier, die mich nicht aufhören lässt. Absolute Leseempfehlung! Ein Buch von Lenka Kerler zum fließenden Ein- oder Abtauchen in Welten, die man zuvor nie betreten hat. (E.K.)

Ein ungewöhnliches und einzigartiges Buch. (Dr. N.R.)

Und I sags da / I war so aufgeregt und hab so Angst ghabt / Und hab dann dei Buch gelesen und des is echt so spannend dass ma dann nima an was anderes denkt 😍 (A. G.)

Ich habe das Buch bekommen – und musste es nahezu in einem Rutsch lesen, weil es mich in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichte hat mich verwirrt und nachdenklich zurückgelassen … aber ich wurde ja vorgewarnt, dass es kein happy end geben wird 🙂 Tiefgründig, faszinierend – vielen Dank für deine Geschichte! (Y. P.)

heyy, ich hab gerade dein buch beendet. und ich schreib des jetz ned weil du meine freundin bist, sondern weil ich dir einfach gern sagen würd dass ichs super fand und dass ich ganz schön begeistert bin dass du einfach ein buch geschrieben hast 🤩

also zeitweise konnt ichs gar ned aus der hand legen, weil ichs so spannend fand.

viele fragen natürlich in meinem kopf, mein hirn will immer wissen was vlt wirklichkeit is, welche personen es vlt wirklich gibt, und was/wen ned, aber die fragezeichen sollen ruhig bleiben 🙂 

außerdem hab ich dich ganz oft „sprechen“ hören, weils einfach dein sprachgebrauch is, des war iwie witzig. 

also alles in allem find ichs sehr gelungen, gut ich bin jetz ned sooo die buchexpertin aber mir hats einfach gefallen. bissl mystisch, bisschen duster und ich würd auch gern mal in ein fühlhaus gehen! 🤍 (V.P.)

Ich finde das Buch spannend. Streckenweise war ich sehr versunken, es ist gut geschrieben. Manchmal hat mich nur irritiert, dass es mit Dialekt geschrieben ist. Das ist ungewöhnlich. 

Ich war zeitweise auch verwirrt beim Lesen, habe die ganze Zeit versucht, die Parallelen zu dir zu finden und bin mir immer noch nicht sicher, welche Stadt und welche Menschen gemeint sind, aber bin sehr sicher, dass sie Vorbilder haben. Die ganze Zeit hatte ich auch ein mulmiges Gefühl – all der Nebel…

Und das Ende, tja, rätselhaft, sehr zwischen Dystopie und Utopie, ein bisschen viel fand ich manchmal. Ungewohnter Mix aus Roman und aufgeschriebenen Gedanken, aber irgendwie auch (zu dir) passend. 

Ich mochte die Gedichte zwischendrin. 

Ich will in einem Buch immer wissen, was wahr und was erfunden ist und das fällt mir hier schwer, vielleicht auch, weil ich dich kenne, oder gerade nicht? So genau weiß ich das nicht. Es klingt auf jeden Fall sehr nach dir!

Und ich mag Frau Zora und ihr Kaminzimmer! 🙂 (E. H.)

Das muss dieses Leben sein:

Bei dem Gedicht hab ich so geweint! (N.N.)

Wem meine Texte gefallen, der ist herzlich dazu eingeladen, mich auch mit meinen Büchern zu unterstützen:

Dieses Jahr habe ich meinen ersten Roman „Die Unterirdischen Seen“ veröffentlicht sowie eine kleine Gedichtsammlung mit meinen Lieblingsgedichten aus den Jahren 2019 bis 2023 („Das muss dieses Leben sein“).

Die Bücher gibts überall, wo’s Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Jede Bestellung und auch jedes Feedback/ jede Online-Bewertung hilft 🙂

Danke schon mal ❤

Wo gehen Amseln zum Sterben hin?

Fallen sie einfach vom Baum? Stürzen sie sich in einen Fluss? Landen sie in der Regenrinne und die nächste Sturzflut trägt sie für immer davon?

Unser Schorschi, der so oft für uns gesungen hat, den wir erkannten, selbst wenn er auf dem Dach des Nachbarhauses saß, ist nicht mehr da.

Vielleicht macht er Urlaub, hoffen wir, vielleicht hat er mal die Umgebung gewechselt.

Schon seit Wochen kommt er nicht mehr angeflogen, bettelt nicht mehr um Weinberli (Rosinen), trällert uns keine seiner Arien mehr vor.

Ist er mit seiner Familie umgezogen? Hat er seit der Scheidung das Dorf gewechselt? Hat er Stimmbandprobleme?

Manchmal war er so frech und ist ins Haus hineingehüpft, einmal bis ins Wohnzimmer und dann wieder auf die Spüle in der Küche, wo er uns ein kleines Geschenk daließ.
Er kam angeflogen, wenn er durch die großen Glasfenster sah, dass einer von uns Zweibeinern die Küche betrat, oder wenn wir mit dem Fahrrad oder Auto nachhause kamen. Selbst durchs Telefon habe ich ihn erkannt, wenn meine Mama auf der Terrasse oder am Esstisch saß, seine Melodie war ohnegleichen.

Doch nicht nur dadurch unterschied er sich von den anderen Amseln: Sein Gefieder war zerrupft, sein Bauch wurde immer kahler. Vielleicht war er wirklich krank und gab doch bis zuletzt alles, um seine Fans und Gönner zu unterhalten.

Als meine Eltern dann zwei Wochen im Urlaub waren, kam er danach nicht wieder. Ein oder zwei Mal noch ließ er sich von Weitem blicken, bis es eines Tages ganz still war und niemand mehr vom Hausdach gegenüber pfiff.

Ich hoffe einfach, er ist ebenfalls in den Urlaub geflogen, ganz lang, den Sommer über. Ich hoffe, er hat eine wunderschöne Zeit.

(Regensburg, 31.7.25)

Wem meine kurzen Texte gefallen, der ist herzlich dazu eingeladen, mich auch mit meinen langen Texten zu unterstützen:

Dieses Jahr habe ich meinen ersten Roman „Die Unterirdischen Seen“ veröffentlicht sowie eine kleine Gedichtsammlung mit meinen Lieblingsgedichten aus den Jahren 2019 bis 2023 („Das muss dieses Leben sein“).

Die Bücher gibts überall, wo’s Bücher gibt, als Print on Demand oder E-Book.

Jede Bestellung und auch jedes Feedback/ jede Online-Bewertung hilft 🙂

Danke schon mal ❤

Das muss dieses Leben sein – Die schönsten Gedichte & Kurztexte

Ab heute gibt es meine und eure Lieblingstexte aus den Jahren 2019-2023 (eine Zeit, in der ich so unglücklich war wie noch nie, dadurch aber auch am inspiriertesten) als kleines Büchlein überall, wo es Bücher gibt.

Darunter auch „Biene, stich“ (Nr. 1 meiner Top-Beiträge):

Biene, stich

Elefanten trampeln über mein Herz, woher kommen sie?

Ich spucke eine Biene aus, los los, opfere dein Leben für meines, zerstich den tonnenschweren Elefanten aus Luft!

Meine Zungenspitze ist taub, kein Summen weit und breit.

Gedankenfetzen liegen zerstreut auf dem Boden meiner Wirklichkeiten, durchtränken ihn, ertränken mich.

Hellwach lieg’ ich da, voll Freude und Trauer zugleich.


[Halle, 5.1.21]

„Das muss dieses Leben sein“ findet ihr als Print on Demand oder E-Book z.B. hier.

Eventuell kann es noch dauern, bis es in allen Shops verfügbar ist, da heute erst der offizielle Erscheinungstag ist 🙂

Dachte mir, der 6.6. klingt doch ganz gut, genauso wie der 5.5., an dem „Die Unterirdischen Seen“ (neu)erschienen sind.

Schönes langes Wochenende!