Diesmal stimmte jeder Satz

Das, was zählt, ist: Ich weiß, er kann mir nichts mehr tun, er ist nur das Gespenst eines schrecklich alten, einsamen Mannes, der mit letzter Kraft zu verteidigen sucht, was seiner Meinung nach ihm gehört. Was nie sein war, was auch ohne ihn existiert hätte, nur wusste er eben, sich dies zunutze zu machen.

Er lebt nicht mehr, zumindest nicht in meiner Welt, das habe ich in den letzten Minuten erkannt.

Er lebt in seiner eigenen Welt, die er mitgeschaffen, mitverursacht hat, und alles, was er ist, ist er nur, weil alle anderen noch existieren, denen er seine Geschichte erzählen kann.

Fällt diese in sich zusammen, was ist er dann noch?

Dann muss er loslassen, sich neu erfinden, oder – wenn er mutig genug ist – sich von allen anderen Erzählungen befreien, sich nackt machen, sterben, um von Neuem zu beginnen.

Manchmal gäbe ich viel darum, meine Geschichte neu zu schreiben, von Anfang an, diesmal stimmte jeder Satz, der Rhythmus, die Handlung.

Wir können das im Nachhinein, sie überschreiben, aber selbst schreiben wir sie zunächst nicht.

Sie wird geschrieben, und wir werden geworfen in eine Erzählung, die Ausgangslage, die Protagonistinnen – alles nicht in unserer Hand. Später dann, wenn wir gelernt haben, wie man Stift und Papier verwendet, können wir mitbestimmen, wohin unsere Geschichte geht.

Manchmal ist es dann zu spät für ein glückliches Ende, manchmal sind zu viele Parameter schon gesetzt.

Aber wie wäre es damit: Einfach die letzten Seiten zerknüllen, ab in den Papierkorb damit, sich aller bisherigen Erzählungen entledigen, und die Geschichte neu schreiben?

Ist das möglich?

Dafür müssten wir erst des Stiftes in unserer Hand bewusst werden, doch viele sehen diesen nicht, sie überlassen ihre Geschichte anderen, werden zum Protagonisten der Erzählungen anderer.


Ein weiterer Ausschnitt aus „Die Unterirdischen Seen“, den ich beim Korrekturlesen entdeckt habe. Ich freu mich sehr auf den Zeitpunkt, wenn ich bald sagen kann: Okay, so kann ich’s stehen lassen, so kann ich das einem Verlag etc. anbieten. Aber das ist eine Sorge für einen anderen Tag…

Das Maß aller Dinge

Ich weiß nicht, wer damit angefangen hat, vielleicht waren es die Tribunen, die der Stadt den Floh ins Ohr setzten.

Doch da ist dieses vermaledeite Wort, an dem sich alle messen und messen lassen, es ist diese „Norm“, an der wir uns festhalten, die so viel kaputt macht, vor allem in uns selbst. Wer oder was ist schon „normal“?

Orientiert sich dieses Maß an den Herrschenden, nach ihnen muss alles ausgerichtet werden, und nur jene sind gut genug, die so aussehen, denken, glauben, lieben, leben wie sie?

Sie sind das Maß aller Dinge, und wer nicht ist wie sie, kann nur besser oder schlechter sein, anders, kaputt und muss repariert werden.

Das Perfide: Wir sollen ja gar nicht alle „gleich“ sein.

Gleichheit, das ist ein Wert, der nie zu erreichen ist, ein Modewort, mit dem sich viel Politik und Geld machen lässt. Schall und Rauch, um die Wahrheit zu verstecken, die da ist: Eine schreckliche Vorstellung für diejenigen, die gut von der Ungleichheit leben. Warum diese ernsthaft bekämpfen? Das ist unmöglich, es folgte der Zusammenbruch, und schlimmer: Wir müssten unsere Macht abgeben und unser Vermögen teilen. Ein Albtraum.

Um diesen zu verhindern, fördern wir jene, die Politik für uns machen, denen eine Umverteilung nicht im Traum einfallen würde, Pöbel bleibt Pöbel, wir brauchen die Massen, sie haben für uns zu arbeiten und sich gegenseitig zu zerfleischen, darum hasst immer die, die noch weniger haben, die zu schwach sind, um sich zu wehren, die eh schon am Boden liegen. Gegen die Kranken, Alten und Kinder gewinnen sogar jene, die selbst ganz unten im Sand der Arena stehen.

An diesen Kämpfen ergötzen wir uns ganz besonders: Mit genug Sicherheitsabstand empören wir uns champagnerschlürfend über jene, die auf die Schwächsten treten, und sind es doch selbst, die sie zusammen in die Arena schickten. Herrlich. Brillant.

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Wieder mal ein kleiner Ausschnitt aus meinem Buchprojekt, über den ich bei meiner derzeitigen Überarbeitungsrunde (gefühlt 10 aus 100) gestolpert bin und der mir grad so gut gefallen hat, dass ich ihn teilen will 🙂

Der Singvogel und das melancholische Mädchen

Auch heute kam sie. Ihre traurigen Augen nahmen Platz auf der Bank unter seinem Baum. Sie blickte sich aufmerksam um, ob auch ja nicht zu viele Menschen unterwegs waren, die sie in ihrem Alleinsein unterbrachen. 

Oft saß sie stundenlang da und genoss die Stille; der Singvogel war sich sehr sicher, dass sie ihm dann lauschte. Manchmal las sie ein Buch, in dem sie mit einem Bleistift für sie wichtige Sätze markierte. 

Es war jedes Mal erstaunlich, welche Wirkung diese Stunden auf der Bank hatten. Natürlich war dafür auch sein Gesang verantwortlich, da war der Vogel ganz selbstbewusst. Immerhin lächelte sie sehr oft in seine Richtung, besonders wenn er sich ins Zeug legte und er ihr all jene Töne schenkte, die er für besondere Momente in sich aufbewahrt hatte. Als verstünde sie, was er ihr zurief, lehnte sie sich genießend zurück und nahm alles in sich auf.

Manchmal flog er ihr ein Stück des Weges nach, wenn ihre Zeit auf der Parkbank vorbei war. Er konnte dann sehen, wie sie sich ein wenig leichter bewegte, wie die Kraft, die sie an manchen Tagen nach unten zog, ein wenig nachgelassen hatte. Er wäre ihr gerne mit nach Hause gefolgt, hätte gerne mit ihr gegessen, ihr ein Gute-Nacht-Lied gesungen, an ihrem Bett gewacht. Aber das war nicht möglich, das hatte er beobachtet. 

Die Zweibeiner bestanden darauf, dass Lebewesen wie er nicht in ihre viereckigen, steinernen Nester kamen, sie fuchtelten dann wild aufgeregt in der Luft herum, damit der Störenfried ihr Nest verließ. 

Manche allerdings gab es, die seinesgleichen in kleine Kästen sperrten, um sich an ihnen oder auch ihrer Kraft zu ergötzen, die es ermöglichte, kleineren Lebewesen die Freiheit zu rauben. Der Singvogel glaubte ja, dass viele ihn um seine Fähigkeit des Fliegens beneideten und seinesgleichen deshalb einsperren, ihre Flügel stutzen und besitzen wollten. Warum sonst sollte man einem Lebewesen genau das nehmen, was das Wesen seiner Natur war?

Seiner Liebe wäre dies jedoch nie in den Sinn gekommen. Sie liebte alle Lebewesen, da war er sich sicher, und vermutete darin den Grund ihrer Traurigkeit. Sie liebte sie so sehr, dass sie traurig wurde ob der Getrenntheit, die zwischen allen – insbesondere den zweibeinigen – Lebewesen bestand. Er spürte das, denn es ging ihm ähnlich. 

Er würde in diesem Leben immer nur Singvogel bleiben, keine Chance haben, mit ihr Worte zu wechseln. Doch das war auch nicht nötig, denn er konnte dafür so singen wie niemand sonst auf der Welt, und vielleicht war genau das seine Lebensaufgabe.

Die Fühler des neuen Tages kitzelten ihn an seinen Federspitzen, was für ein herrlicher Morgen und Tag dies werden sollte. Er schüttelte sich und übte seine Stimme. Irgendwann, kurz nachdem die Sonne am höchsten stand, kam sie des Weges, lächelte ihm zu und setzte sich. 

Und er sang für sie die Arie seines Lebens: Sei traurig, mein Mädchen, der falsche Zeitpunkt, der uns zusammenführte, wird uns auch wieder trennen. Sei nicht traurig, mein Mädchen, ich bin bei dir, jede Sekunde Tag und Nacht, alles ist verbunden, für immer.

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(Repost vom 19.04.2020)

Der Andere sagte

Der Andere sagte:

Es erstaunt mich. Dieser Planet ist einzigartig im Universum, und ich habe schon viele gesehen.

Aber Lebewesen, die ihren eigenen Planeten zerstören und dabei munter zusehen, das ist schon besonders.

Er strahlte, zumindest interpretierte ich seinen Gesichtsausdruck so.

Vielleicht war das auch das traurigste Gesicht, das er aufsetzen konnte. Und vielleicht kannte er weder das eine noch das andere Gefühl.

Vielleicht war es sogar so, dass er und seine Mitwesen nur ein einziges Gefühl kannten. So waren sie ständig eine Mischung aus heiter, melancholisch, und wütend. Oder sie waren bar jeglicher Emotionen, oder sie fühlten kebao, ein Gefühl, das sich niemand von uns Erdlingen vorstellen kann.

[Halle, 26.1.22]


Eine kleine Textinspo, die ich grad in den Notizen auf meinem Handy gefunden hab. Sie zeigt, wie spannend der Perspektivwechsel sein kann.

Bei mir ist grad einiges los, viel Gutes auch, ich bin endlich in einer Post-Covid-Studie, schreibe an meinem Buch und arbeite an einem (Schreib-)Workshop, weswegen nur wenig Energie für weitere, kurze Texte übrigbleibt.

Ich hoffe, euch gehts gut!

Der Nebel

Bisweilen ist der Nebel greifbar, und wer in den oberen Stockwerken wohnt, hat das Gefühl, über den Wolken zu schweben. An diesen Tagen fühlen sich die Bewohner der Stadt wie benommen, als hätte sich der Nebel auch in ihrem Kopf breitgemacht. Dann ist die Stadt mit Untoten gefüllt, niemand achtet auf den anderen, alles egal, wichtig nur ist es, den Tag hinter sich zu bringen, morgen wird besser, ganz bestimmt. Wenn zwei Passanten im dichten Nebel aneinanderstoßen, erwachen sie kurz, erschrocken, entschuldigen sich hektisch und hasten schnell weiter, ein wenig gebeugter als zuvor. Der Nebel zerfrisst jede Lebensfreude, er verschluckt die Farben der Natur, saugt alles Schöne in sich auf. Er ist allgegenwärtig, im Innen und Außen der Menschen.

Und trotzdem: So sehr er sie auch bedrückt, so schwer er auf der Stadt liegt, geben sie nie ihm die Schuld. Der Nebel umarmt die Bewohner wie eine weiche, warme Decke, sie fühlen sich geborgen, zuhause, geliebt. Jeden Abend gehen sie betäubt, aber zufrieden ins Bett. Sie haben schon wieder vergessen, wie anstrengend und lang dieser Tag war, und sie sind auf’s Neue überzeugt davon, in der schönsten Stadt der Welt zu wohnen.

Wollen sie diese in seltenen Fällen verlassen, so sind sie schon nach einem Tag in der Fremde zittrig, unsicher und voller Sehnsucht nach „ihrer“ Stadt. Sie können nur schlecht schlafen, wenn sie nicht jeden Tag wenigstens ein wenig vom Nebel einatmen, der zu ihrem Zuhause gehört wie die vielen Schlote, das fehlende Wasser, die Hektik auf den Straßen.

Wir wissen nicht, ob sie die Stadt jemals wirklich verlassen. Ob das überhaupt möglich ist. Manche erzählen, dass sie einmal woanders waren, und doch sind sie immer wieder schnell zurück, als hätte der Nebel sie gerufen, oder als wäre es unmöglich, ohne diesen zu leben. Sie kehren zurück und haben vergessen, was sie dort draußen wollten, haben vergessen, wo sie waren.

Vielleicht umgibt die Stadt ein unsichtbares Gewebe, das den Menschen vorgaukelt, an anderen Orten zu sein, ein anderes Leben zu leben, bis sie schließlich umkehren, umnachtet, mit Bildern und Geschichten im Kopf, als wären sie nun ein anderer und besäßen neue Augen. Und manche gehen zum Sterben dort hinein, sie lösen sich auf in den sanften Stimmen, in den bunten Bildern, in den Wünschen und Träumen, und umschweben fortan unsere Stadt, gefangen im ewigen, aus uns selbst bestehenden Gewebe.

[Regensburg, 16.04.24]


Der Nebel spielt eine wichtige Rolle in „Die Unterirdischen Seen“, er trägt zur unheimlichen Atmosphäre der Stadt bei, verbirgt die Machenschaften des H. und malt die Erinnerungen der Protagonistin neu.

Was haben sie mit F. gemacht?

Ich habe nie herausgefunden, was sie mit F. gemacht haben.

Da sie nicht hier bei uns ist, kann ich nur vermuten, dass sie sie in eines ihrer großen Gefängnisse gesteckt haben, die sie draußen vor den Toren der Stadt unterhalten. Dorthin stecken sie diejenigen, die ihnen nicht ins Bild passen, die sich also weigern, bei ihren Arenakämpfen mitzumachen.

Oder sie haben sie „angepasst“, ich weiß nicht, was ich ihr weniger wünsche. Ein Leben im Gefängnis oder ein Leben unter neuer Identität, mit ausgelöschten Erinnerungen an früher, einer Maschine gleich, die perfekte Einwohnerin ohne eigene Meinung und eigenen Willen.

Was sie dabei genau machen, um diesen Puppenzustand zu erreichen, kann ich (zum Glück) nicht sagen, das wissen nur jene, die es durchführen und jene, an denen es durchgeführt wird, und diese schweigen danach für immer. Auch die Gefängnisse kann ich Ihnen nicht genauer beschreiben, über die hören wir nur Gerüchte. Und ich weiß nicht, was schlimmer ist: Zu wissen, dass Gerüchte oft übertreiben, oder dass sie doch nur die halbe Wahrheit sind, weil die ganze es nicht durch die dicken Mauern schafft oder so unaussprechbar ist, dass Worte niemals ausreichen.

Worte. Wörter. Man könnte alle Sprachen der Welt sprechen und nur ansatzweise die menschliche Erfahrung in all ihrer Brillanz und Grausamkeit beschreiben. Vielleicht ist es besser so. Manche Dinge sollten wir nicht aussprechen, und manche müssen frei bleiben, frei vom Gefängnis der Sprache.

Wir werden es wohl erst erfahren, wenn unser Heute Geschichte ist und man die Kinder über uns belehrt. Dann werden unsere Nachfahren hören, was wir uns gegenseitig angetan haben, was wir verpasst haben zu tun, und sie werden die Köpfe schütteln, sie werden sagen, zum Glück ist das nicht mehr so und das wird es auch nie wieder geben, während es in irgendeiner Ecke ihrer Stadt schon geschieht, unter anderem Namen, anderen Vorzeichen, aber heute ist heute und damals ist damals.

Was auch immer der Fall sein mag, ich hoffe inständig, F. geht es gut, wo auch immer sie jetzt sein mag. Und falls Du das hier eines Tages lesen solltest, meine liebe, liebe F.: Ich bin Dir von Herzen dankbar für alles, was du für mich getan hast. Es waren Deine Hinweise, die mich hierher geführt haben, wo ich jetzt bin, und auch, wenn das nicht ideal aussehen mag – zu wissen ist immer besser als nicht zu wissen.


Ein weiterer Auszug aus meinem neuesten Buchprojekt. F. war eine gute Freundin der Protagonistin, bis sie eines Tages spurlos verschwindet und nur Hinweise hinterlässt für deren Suche nach den Unterirdischen Seen.

Frisch aus der Feder, also seid bitte nachsichtig 😉

[Regensburg, 9.4.24]

Zu viele Umlaute

Ich liebe uns noch immer in diesem eingefrorenen Zustand, dieses perfekte, sehr verliebte Bild, ich liebe, was wir sein und werden hätten können. Doch das sind ein paar Umlaute zu viel für hier und jetzt.

Ich liebe uns für das, was wir sein und werden hätten können, ich liebe uns in exakt jenem Moment, blende vorher und nachher aus und mein gebrochenes Herz.

Versteht mich nicht falsch, ich bin froh darüber – auf eine gewisse Art, aber was bleibt mir auch anderes übrig. Ich liebe uns in anderen Dimensionen, was wir sein hätten können unter anderen Umständen, mit anderen Ichs.

Zu viele Umlaute.

Es ist die ewige Frage des: Was wäre, wenn… ? Sie zu beantworten ist unmöglich, doch sie hilft mir zu akzeptieren, was ist.

Wenn das so nicht geschehen wäre, wäre ich jetzt nicht hier. Wenn ich nicht diejenige wäre, die ich nunmal bin, und ich mag diese Person mittlerweile, habe sie akzeptiert, dann wäre ich nicht ich und wer weiß, was dann wäre.

Manchmal vermisse ich meine früheren Ichs, diese fröhlichen, unbeschwerten, vermeintlich.

Ich vermisse gar nicht jene Menschen auf den Bildern, nein, ich vermisse eher diese Momente des unbeschwerten, schwerverliebten Glücks, des Geliebtwerdens und des Liebens, des Wissens, die Welt steht mir offen und ich denke nicht weiter darüber nach, alles ist möglich. Ich vermisse die Schönheit, die sie mir entlockten, die Poesie, das intensive Fühlen.

So sehr das Hervorholen alter Bilder in Zeiten des Hungers natürlich ist, stillt es doch diesen nicht. Es macht uns hungriger, trauriger, blinder. Ernähren wir uns nur von Totem, sterben auch wir Stück für Stück, wir vergessen, echtes Essen zu essen. Wir werden selbst zur Hülle, vermeintlich voller Leben, aber innen tot. Ich verstehe das gut, ich vergesse zu essen bisweilen, weil ich zu müde, zu schwach, zu traurig bin; manchmal habe ich schlichtweg vergessen, wie essen geht und frage mich, wozu überhaupt. Und manchmal, je länger es her ist, umso öfter, habe ich einfach zu große Angst, dass man mich auslacht, weil ich nicht mehr weiß, wie das geht: Essen.

Das ist das Gefährliche am Zehren von alten Geschichten: Wir schmücken sie uns hübsch und unterhaltsam, dass sie unser Herz wärmen mögen in kalten Zeiten, wir malen sie bunt, um zu verdecken, dass sie schon lange verblichen sind.

Und darüber vergessen wir, neue, frische, unsere eigenen Geschichten zu schreiben.

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[Essenbach 2.4.24]

Wir Sternenstaub

Aus Sternenstaub, Du und ich, was für ein schöner Zufall, oder?

Wenn es so sein sollte, wieso feiern wir das nicht? Wieso ehren wir es nicht gebührend?

Und wenn es ein sehr glücklicher Zufall war, warum feiern wir diesen nicht?

Ein Zufall, dass sich alles so entwickelt hat, bis zu dem Moment, wo ich nun auf dieser Couch liege und in mein Handy diese Zeilen tippe. Machen wir das beste draus, ob Zufall oder nicht?

Ich weiß nicht.

Es scheint, wir behandeln uns und alles auf diesem wunderschönen Planeten zu selbstverständlich, als wäre das alles nicht das größte Wunder. So bunt und vielfältig, so einfallsreich und voller Liebe, ich bin sehr sicher, dass es einen solchen Planeten mit so außergewöhnlichen, seltsamen, lustigen und liebenswerten Lebewesen nur einmal gibt.

Das Universum in uns, in uns das Universum. Wieso verhalten wir uns nicht entsprechend?

Wir sind Sternenstaubklumpen, in sehr intelligenter Weise verbunden. Wenn alles aus ein und demselben Material ist, wieso haben wir dann nicht mehr Respekt voreinander? Vielleicht steckt in deinem Gegenüber, das du nicht kennst, Staub vom selben Stern wie in dir?

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[Regensburg, 17.03.24]

Inspiriert von der sehr schönen „Feelings“-Folge (Podcast von und mit Kurt Krömer) mit Dr. Mai Thi Nguyen-Kim