Es war an einem wunderschönen Nachmittag im Herbst 2003, als Katja das Laub draußen im Garten zusammenrechte, um danach vom Baumhaus in den Laubhaufen zu springen. Katja war elf Jahre alt und war groß, schlank und schön. Sie war allein zu Hause, denn ihre Mutter Gabriele war beim Einkaufen. Um fünf Uhr ging Katja ins Haus, um sich von ihrem Zimmer ein Buch zu holen, denn sie wollte unten im Wohnzimmer lesen.
Auf dem Weg ins Wohnzimmer entdeckte sie auf der Terrasse zwei fremde Männer. Sie fummelten an dem Schloss herum, als ob die herein und etwas klauen wollten. Vorsichtig schlich sich Katja ins Wohnzimmer zur Couch, um sich dahinter zu verstecken. Doch sie war zu unvorsichtig gewesen, denn jetzt hatten die Banditen Katja entdeckt. Sie brauchen die Terrassentür zu schnell auf, als dass sich Katja verstecken konnte. Das Mädchen wollte weglaufen, doch ihre Beine waren wie erstarrt. Auch ihr Mund wollte und wollte nicht aufgehen. Die beiden Männer stürzten sich auf Katja und hielten sie fest, dass sie nicht laufen konnte, dabei rieten sie Katja: „Ich würde lieber den Mund halten, bevor es zum Streit kommt. Du gehst jetzt schön brav mit uns mit und solange du nicht um Hilfe schreist, wird dir nichts passieren.“
Katja bemerkte, dass sie es sehr eilig hatten und wollte herausfinden, warum. Sie sagte: „Meine Mutter ist hier im Haus, aber nicht hier, sondern im Keller.“ Dieser schlichte Satz hatte eine gewaltige Wirkung auf die beiden Banditen. Sie packten Katja so fest, dass es weh tat, und stürmten aus der Terrassentür wie die Wilden. Die zwei gewalttätigen Männer gingen flott durch kleine Gassen und Straßen und dabei kam der armen Katja ein glänzender Gedanke. Sie wollte die zwei Fremden fragen, wer ihr Lieblingssänger wäre. Und das tat Katja dann auch. Sie fragte interessiert: „Wer ist denn euer Lieblingssänger?“ Einer der Männer antwortete gelangweilt: „Ach dieser Robbie Williams und diese Nicole Kidman sind ganz gut, doch unser Lieblingssänger ist DJ Bobo. Dam, Bam, Dam, Dam, Bam!“ Doch nach einer Weile fragte der zweite der Männer: „Wieso fragst du? Und wer ist eigentlich dein Lieblingssänger?“ „Ach, ich frage nur so, und meine Lieblingssängerin ist Britney Spears… Wann sind wir nun endlich da?“, fragte und antwortete Katja zugleich.
Keiner antwortete. Es dauerte und dauerte, doch die beiden Entführer blieben nicht stehen. Es war so still, als ob sie schon längst aus der Stadt heraus wären. Doch da! Eine alte, sehr alte Fabrik war zu sehen und die beiden Rinder, wie Katja immer zu Männern sagte, steuerten direkt auf sie zu. Die Fabrik bestand aus nur einem einzigen Fenster und aus einer winzigen Tür. Katja überlegte sich schon seit einiger Zeit einen Fluchtplan, nur wie sollte sie hier wegkommen?
Die zwei Erwachsenen und das eine Kind gingen geradewegs zur Tür, machten sie auf und kamen sogleich in ein großes, großes Zimmer, das mit vielen Bildern von DJ Bobo behangen war. Da! Was rumorte denn da? War es etwa Katjas Bauch? Hatte sie Hunger? Ohje, sollte sie es den beiden Rindern sagen? Da kam blitzschnell eine Idee geflogen, wo sie wohl herkam? Katja bastelte und bastelte an der Idee herum, doch ihr fiel nichts Besseres ein. Da beschloss sie, die Idee auszuprobieren.
„Ihr sagtet doch, euer Lieblingssänger wäre DJ Bobo?“ „Ja, warum fragst du?“ Katja antwortete geheimnistuerisch: „Weil es ein Konzert gibt von ihm in München.“ „Wirklich?“ „Ja.“ „Und wann?“ „Ach, so im Herbst, äh, ich meine im Oktober in der Olympiahalle.“ Die zwei Zuhörer schauten sich mit offenem Mund an und sprachen wie aus einem Mund: „Da-da müssen wir hin!“ Das Mädchen lachte in sich hinein, denn sie wusste nicht einmal, ob das wahr war, was sie da vor sich her plapperte. Wie am Anfang geschrieben, war gerade Herbst, doch nicht September, sondern Oktober. Und da hatte Katja ein leichtes Spiel, denn sie sagte, dass das Konzert schon morgen in der Früh um sieben Uhr beginne. Da schlugen die Männer die Hände vor den Mund und stotterten: „Ohje, wie kommen wir da hin? Wir haben kein Auto und zu Fuß kommen wir da niiie hin!“
Katja war jedoch anderer Meinung und sagte: „Doch, ihr kommt schon hin, nur müsstet ihr heute schon gehen, denn, naja, sonst kommt ihr nie hin!“ „Okay“, antwortete es wie im Chor. Doch was war mit der Tür? Die würden sie doch sicher schließen? Doch Katja hatte sich auch das schon überlegt. „Wenn ihr den Weg nicht kennt, was dann?“ Aber die Männer wussten schon, wie sie das anfangen wollten. Sie hatten zwei Walkie Talkies, mit denen sie funken konnten. Doch das schlaue Mädchen fragte, wie das gehen sollte, denn sie hatten keinen richtigen Funk, wenn keine Tür offen stand? Die Männer überlegten: „Naja, wir können natürlich die Tür offen lassen, denn dir können wir vertrauen.“ Katja glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Waren die beiden wirklich nur ein einziges Mal in der Banditenschule gewesen? Wahrscheinlich nicht.
Schon um acht Uhr abends gingen die zwei dummen Entführer los, um ja nichts zu versäumen. „Wie kann man nur sooo dumm sein wie diese beiden. Nur wegen so einem Sänger, hihihi!“, dachte sich Katja kichernd. Doch länger durfte Katja nicht über diese Menschen spaßen, denn sie konnten ja noch drauf kommen, dass das Ganze nur ein Trick gewesen war. So schnell wie möglich ging Katja nach Hause. Sie hatte schon mächtigen Hunger, und so viel sie wusste, gab es heute Abend Spaghetti mit Tomatensoße und das war Katjas Lieblingsspeise. „Was werde ich Mutti sagen? Vielleicht, dass ich das Mathebuch vergessen habe? Okay, das sage ich ihr“, dachte sich das Mädchen. Als sie zu Hause ankam, schaute ihre Mutter schon fragend drein. „Ich habe das Mathebuch vergessen. Ach was! Ich war noch ein bisschen bei Diana“, log Katja schnell zusammen. Von jetzt an war wieder alles in Ordnung. Doch die Gangster, die Gangster ließen sich nie wieder blicken, denn schlaue Mädchen darf man nicht entführen!
Ende gut, alles gut!
[E., 16.03.2002, eine Geschichte also, die ich mit zehn Jahren geschrieben habe]