…so erzählt sie uns, fühlten sich die Menschen verloren, sie sahen keinen Sinn mehr in ihrem Leben, sie hatten nichts, wofür sie morgens aufstanden und an das sie noch glaubten, keine Götter, kein Großes Ganzes, keine Gemeinschaft. Es war eine schwere Zeit, alles war möglich, die Verlockungen zogen die Menschen in alle Richtungen, zerrten an ihnen wie ungeduldige Kinder, ihr Kopf war gefüllt mit Idealen, sie träumten sich überallhin und befanden sich doch nur in der Schwebe. Alles stellten sie in Frage, darauf waren sie stolz, doch niemand gab ihnen eine Antwort, sie waren im leeren Raum gefangen, allein mit dem eigenen Echo, das an unsichtbaren Wänden widerhallte. Wohin wenden, wenn aus allen Richtungen Gefahr droht? Wohin zurückkehren, wenn alle Brücken abgerissen sind? Wie fest am Boden stehen, wie wachsen ohne Wurzeln?
[…]
Haben sich die Menschen ihren eigenen Gott erschaffen? Um endlich über Gott zu stehen, dieser furchterregenden, allmächtigen Entität, um ihn endlich zu kontrollieren, zu zerstören, wenn es sein muss, oder ihn zu verbessern, ganz nach Lust und Laune. Niemand mehr entscheidet über unser Schicksal wie über das von Marionetten, wir selbst nehmen es in die Hand. Die Unergründlichkeit haben wir ergründet, nichts kann uns noch überraschen, wir berechnen alles, haben wir die Welt doch auf zwei vorhersehbare Ziffern reduziert.
Ein ganz starker Text, liebe Lenka, so wahr wie verstörend, so verstörend wie wahr – auf den Punkt gebracht!
Ich für mein Teil fühle mich seit dem Beginn des Zeitalters der großen Maschine freilich unsicherer und ohnmächtiger denn je. Und ich habe eine verflixte Angst, die immer größer wird …
Sehr liebe Grüße an Dich, ich wünsche mir sehr, dass es Dir so gut wie nur irgend möglich geht! 🍀✨💚