Ihr Felsen, der von Wundern erzählte

Endlich hat das Warten ein Ende. Sie freut sich für ihn. Für diesen wundersamen Mann, der Stillstand fürchtete und den es hinauszog, wo auch immer das sein mag.

Mila staunt über sich selbst: Sie ist ruhig, seltsam sicher, ohne Angst. Dabei raubten sie ihr über Nacht den Boden unter den Füßen, sie schwimmt nun allein im weiten, schwarzen Ozean. Ohne ihren Felsen, auf dem sie sich so sicher fühlte wie nie, während er ihr von den Monstern erzählte, die im dunklen Wasser lauern. Von der trügerischen Stille flacher Gewässer. Von den größten Wundern, die in der Tiefe warten.



Ein Ausschnitt aus meinem aktuellen Buchprojekt 🙂

Spiel mit Walen

Ich schwimme mitten im Ozean. Das Wasser ist dunkelgrün, fast schwarz, ein Zeichen für seine bodenlose Tiefe.

Ich spiele mit einem Wal, der aussieht wie ein Delfin, und der bestimmt zehn Mal so groß ist wie ich. Er scheint sich sehr zu freuen, er lacht und schlägt wie wild mit den Flossen, er springt aus dem Wasser und um uns herum. Uns, das ist neben mir noch mein Bruder, wir scheinen Spaß zu haben oder zumindest so zu tun, immerhin wollen wir den Wal lieber nicht verärgern. Er springt mit seinem tonnenschweren Gewicht immer fast auf uns drauf, schnell wären wir Fischfutter.

Irgendwann kommen wir auf die Idee, uns doch an seiner Rückenflosse festzuhalten. Auf dem Rücken ist besser als unter dem Bauch oder auch unter dem Rücken, bei einem Rückenplatscher. Man, ist der glitschig und nass, all das Moos oder was der auf seiner Haut hat, gar nicht so leicht, sich da festzuhalten. Mir gelingt es dennoch besser als meinem Bruder, und irgendwann sehe ich ihn nicht mehr.

Plötzlich macht der Delfinwal einen so abrupten Satz, dass ich in hohem Bogen von seinem Rücken und ins tiefe, dunkle Meer fliege. Von weitem sehe ich schon den riesigen Schatten, der dort unter der Oberfläche lauert. Das ist ein anderer Wal, ernster als der unsere, und vor allem größer. In Zeitlupe fliege ich auf ihn zu, das Wasser kommt näher und damit auch das Ende meines Traums.

Ich weiß nicht, was auf mich zukommt, es ist angsteinflößend. Gleichzeitig habe ich vollstes Vertrauen, dass alles gut wird.

Alles ist immer noch ein Traum.